100.000-Euro-Strafe für Meta: Gericht rügt zögerliche Löschung falscher Soldaten-Vorwürfe
Paul Wagner100.000-Euro-Strafe für Meta: Gericht rügt zögerliche Löschung falscher Soldaten-Vorwürfe
Ein deutsches Gericht hat Meta zu einer Strafe von 100.000 Euro verurteilt, weil das Unternehmen falsche Beiträge über einen im Gazastreifen eingesetzten Soldaten nicht rechtzeitig gelöscht hatte. Das Landgericht Frankfurt am Main urteilte, dass das Unternehmen wochenlang untätig blieb und schädliche Vorwürfe im Netz stehen ließ. Der Fall zeigt die Konsequenzen zögerlicher Reaktionen auf rechtswidrige Inhalte auf sozialen Plattformen auf.
Der Streit begann mit der Veröffentlichung falscher Behauptungen über den Soldaten auf Facebook. In den Beiträgen wurde er als Kriegsverbrecher beschimpft, zudem wurden sein vollständiger Name und ein Foto von ihm veröffentlicht. Am 23. März 2026 ordnete das Landgericht Frankfurt an, die Inhalte umgehend zu entfernen.
Die Beiträge blieben jedoch bis zum 8. und 10. April 2026 abrufbar. Weil Meta nicht zeitnah handelte, kam es zu weiteren rechtlichen Schritten. Das Gericht betonte, dass die Verzögerung besonders schwerwiegend war – nicht nur wegen der Schwere der Vorwürfe, sondern auch wegen der öffentlichen Bloßstellung des Soldaten durch die Nennung seiner Identität.
In seinem Urteil vom 28. Mai (Aktenzeichen 2-03 O 128/26) kritisierte die Kammer für Pressesachen organisatorische Mängel bei Meta. Die Richter hoben hervor, dass das Unternehmen die durch die falschen Aussagen entstandenen Schäden kaum berücksichtigt habe. Die Strafe von 100.000 Euro spiegelt die Auffassung des Gerichts wider, dass Metas Untätigkeit den Rufschaden für den Soldaten verschlimmert habe.
Meta hat nun zwei Wochen Zeit, gegen die Entscheidung mit einer sofortigen Beschwerde vorzugehen.
Das Urteil dient als Mahnung an die rechtlichen Pflichten von Plattformen beim Umgang mit verleumderischen Inhalten. Die Verzögerung bei der Löschung der Beiträge führte zu einer empfindlichen Strafe und unterstreicht die Notwendigkeit schnellerer Reaktionen auf gerichtliche Anordnungen. Der Fall des Soldaten zeigt zudem, welche langfristigen Folgen falsche Online-Vorwürfe für Betroffene haben können.






