Apotheken in Deutschland kämpfen um ihre Zukunft gegen Online-Konkurrenz
Nina BauerApotheken in Deutschland kämpfen um ihre Zukunft gegen Online-Konkurrenz
Deutschlands Arzneimittelversorgung steht am Scheideweg – das warnt zumindest die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank) in drastischen Worten. Vorstandsvorsitzender Matthias Schellenberg zeigt sich besorgt über den wachsenden Einfluss von Online- und Versandapotheken, die mittlerweile etwa 10 bis 12 Prozent des Marktes ausmachen – ein steiler Anstieg gegenüber nur 4 bis 5 Prozent im Jahr 2020. Sein Appell an die Politik: Die anstehenden Entscheidungen in den kommenden Monaten werden darüber entscheiden, ob die örtlichen Apotheken als tragende Säule der Gesundheitsversorgung überleben können.
Schellenberg betont, dass Arzneimittel keine gewöhnlichen Konsumgüter seien und auch nicht so behandelt werden dürften. Aus seiner Sicht darf der Pharmamarkt nicht allein von kommerziellen Interessen gesteuert werden. Stattdessen plädiert er dafür, Apotheken als unverzichtbare Gesundheitsinfrastruktur anzuerkennen, die für Arzneimittelsicherheit und fachkundige Beratung der Patienten sorgt.
Der Trend zum Online-Handel hat den Wettbewerbsdruck auf traditionelle Apothekenketten wie Apotheke am Markt oder Zur Post deutlich verschärft. Zwar halten diese ihre Marktpositionen bisher weitgehend stabil, doch sehen sie sich zunehmend mit E-Commerce-Plattformen und ausländischen Anbietern konfrontiert. Trotz eines moderaten Umsatzwachstums im gesamten Sektor schränken strenge Preisvorgaben für Medikamente die finanzielle Handlungsspielräume vieler lokaler Apotheken ein.
Gleichzeitig warnt Schellenberg vor den Risiken einer weiteren Schwächung des flächendeckenden Apothekennetzes in Deutschland. Jeder Schritt, der Marktmechanismen über die fachliche Versorgung stelle, sei leichtsinnig. Seine Botschaft an die Politik ist eindeutig: Die Anliegen der Apotheker müssten ernst genommen werden, um eine zuverlässige Arzneimittelversorgung und Beratung zu gewährleisten.
Doch während die parlamentarischen Beratungen laufen, bleibt ungewiss, welche Forderungen der Branche tatsächlich aufgegriffen werden. Die Weichenstellungen könnten langfristig prägen, wie Patientinnen und Patienten in Deutschland an ihre Medikamente kommen.
Die Zukunft der deutschen Arzneimittelversorgung liegt nun in den Händen der Gesetzgeber. Ihre Entscheidungen werden bestimmen, ob lokale Apotheken weiterhin persönliche Fachberatung anbieten können – oder ob der Markt künftig von Online-Händlern dominiert wird. Für Schellenberg und die Apobank geht es um viel: den Erhalt eines Systems, das Zugänglichkeit mit fachlicher Aufsicht in Einklang bringt.






