Apotheker kämpft gegen 10.000-Euro-Rückforderung wegen fehlender Chargennummern
Paul WagnerApotheker kämpft gegen 10.000-Euro-Rückforderung wegen fehlender Chargennummern
Eyas Dayyoub, Inhaber der Seebach-Apotheke in Westhofen, wehrt sich gegen Rückforderungsforderungen in Höhe von fast 10.000 Euro. Der Streit dreht sich um fehlende Chargennummern bei zwei teuren Medikamenten, die im Februar 2025 abgegeben wurden. Rund 30 Apotheken in Rheinland-Pfalz sehen sich mit ähnlichen Forderungen einer großen Krankenkasse konfrontiert.
Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) hatte die Rückforderungen Ende letzten Jahres über den Dienstleister Spektrum K geltend gemacht. Betroffen sind vor allem hochpreisige Arzneimittel wie Imraldi 40 mg und Pemazyre 9 mg. Nach deutschem Recht müssen Apotheken bei elektronisch verordneten Medikamenten die Chargennummern dokumentieren – fehlen diese Angaben, können Krankenkassen die Kosten zurückverlangen.
Dayyoub hat bereits Widerspruch eingelegt und ist bereit, notfalls rechtliche Schritte einzuleiten. Der Deutsche Apothekerverband (DAV) unterstützt seine Position und bezeichnet die Abzüge als rechtswidrig. Die Krankenkassen erlitten keinen tatsächlichen finanziellen Schaden, und die Patientensicherheit sei nicht beeinträchtigt, argumentieren sie.
Derzeit wird eine Musterwiderspruchsvorlage für betroffene Apotheken in der Region erarbeitet. Bundesweit hat sich das Problem verschärft: Laut ABDA gab es im Januar 2026 über 1.200 ähnliche Fälle. Schätzungen zufolge sind zwischen 1.200 und 1.500 Apotheken in Deutschland von Rückforderungsansprüchen betroffen.
Kern des Konflikts ist die Frage, ob fehlende Chargennummern finanzielle Sanktionen rechtfertigen. Die Apotheken in Rheinland-Pfalz organisieren nun eine gemeinsame Gegenwehr. Sollte der Streit nicht beigelegt werden, könnte der Fall Präzedenzcharakter für künftige Rückforderungen dieser Art erhalten.






