Bauordnung-Reform im Bundestag: Schneller bauen, aber um welchen Preis?
Lea HerrmannBauordnung-Reform im Bundestag: Schneller bauen, aber um welchen Preis?
Bundestag debattiert erstmals über reformierte Bauordnung
Der Bundestag hat die erste Debatte über eine überarbeitete Bauordnung geführt. Der Entwurf zielt darauf ab, den Wohnungsbau zu beschleunigen und Planungsverfahren zu modernisieren. Sowohl Kritiker als auch Befürworter haben bereits deutliche Positionen zu den möglichen Auswirkungen bezogen.
Hauptziel der Reform ist es, Bauvorhaben zu beschleunigen und den Druck auf dem Wohnungsmarkt zu verringern. Vorgesehen sind vereinfachte Umweltprüfungen und Bürgerbeteiligungen. Zudem sollen digitale Werkzeuge eingeführt werden, um Planungs- und Bauprozesse effizienter und schneller zu gestalten.
Die Kommunen erhielten mit dem neuen Baugesetz mehr Befugnisse. Sie könnten künftig gegen heruntergekommene Immobilien vorgehen – in schweren Fällen sogar durch Enteignung. Diese Maßnahmen sollen die Wohnqualität und das städtische Management verbessern.
In der Debatte meldeten sich auch kritische Stimmen. Kassem Taher Saleh von den Grünen warnte, der Entwurf schwäche Umweltschutzstandards und Nachhaltigkeitsregeln. Katalin Gennburg von der Linken kritisierte den Fokus auf schnellen Neubau und forderte stattdessen Mietpreisbremse und die Nachnutzung leerstehender Gebäude, um den Wohnraummangel zu bekämpfen. Ein reines „Bauen, bauen, bauen“ ignoriere die Klimafragen, so Gennburg. Marc Bernhard von der AfD behauptete, die Reform senke nicht die Baukosten und verfehle damit ihr eigenes Ziel.
Die überarbeitete Bauordnung sieht neue kommunale Kompetenzen vor, um gegen Slum-Immobilien vorzugehen und in Extremfällen zu enteignen. Zudem soll die Digitalisierung die Planung vereinfachen und das Wohnungsangebot erhöhen. Die Debatte zeigte jedoch tiefe Gräben bei den ökologischen und wirtschaftlichen Folgen des Vorhabens.
