Betrügerische Merck-Rechnungen bringen Apotheken in Deutschland in die Bredouille
Paul WagnerBetrügerische Merck-Rechnungen bringen Apotheken in Deutschland in die Bredouille
Gefälschte Rechnungen im Namen des Pharmariesen Merck haben in den vergangenen zwölf Monaten Apotheken in ganz Deutschland ins Visier genommen. Eine der jüngsten Betroffenen ist Carolin Schleußinger, Inhaberin der Marien-Apotheke in Roding, die eine betrügerische Rechnung über 25.000 Euro erhielt – obwohl sie die Summe bereits beglichen hatte. Merck hat die Vorfälle bestätigt, hält sich jedoch mit genauen Zahlen zurück. Die betroffenen Unternehmen zeigen sich verärgert und verunsichert.
Schleußinger wurde misstrauisch, als Merck eine zweite Zahlung forderte. Die Rechnung wies ein neues Konto in Spanien aus, doch zunächst erkannte sie keinen Grund zur Besorgnis. Erst nach einer Rücksprache mit dem Unternehmen stellte sich heraus, dass sie Opfer eines Cyberangriffs auf die Systeme von Merck geworden war.
Die Apothekerin weigert sich nun, die zweite Forderung zu begleichen, und argumentiert, dass nicht ihr Betrieb, sondern Merck selbst gehackt worden sei. Sie kritisiert das Unternehmen für mangelnde Transparenz und wirft ihm vor, das Ausmaß des Problems herunterzuspielen. Aus Sorge vor möglichen Lieferengpässen bei Medikamenten hat Schleußinger Anzeige bei der Polizei erstattet und einen Anwalt mit der Sache beauftragt.
Merck hat inzwischen einen Warnhinweis in seinem Online-Shop veröffentlicht und rät Apotheken, die Bankverbindungen auf Rechnungen genau zu prüfen. Da jedoch keine öffentlichen Zahlen vorliegen, wie viele Unternehmen betroffen sind, bleibt unklar, wie weitreichend der Betrug tatsächlich ist. Behörden und das Unternehmen behandeln die Fälle vertraulich – viele Fragen bleiben unbeantwortet.
Der Fall Schleußinger offenbart ein größeres Muster von Cyberbetrug, das sich gegen die Lieferkette von Merck richtet. Die Warnung des Konzerns kommt zu einer Zeit, in der Apotheken finanzielle Risiken und mögliche Versorgungsprobleme fürchten müssen. Bis auf Weiteres bleibt betroffenen Unternehmen nichts anderes übrig, als Zahlungen besonders sorgfältig zu prüfen – während sie auf klarere Handlungsanweisungen von Merck und den Ermittlern warten.






