23 April 2026, 14:29

"Blutbuch"-Premiere in Berlin: Wie ein Baum Generationen von Trauma erzählt

Eine farbenfrohe Papierreproduktion, die die Stadien des Lebens von der Kindheit bis zum Alter zeigt, mit fetter Schrift und detaillierten Elementen.

"Blutbuch"-Premiere in Berlin: Wie ein Baum Generationen von Trauma erzählt

Eine kraftvolle Bühnenadaption von Kim de l'Horizons gefeiertem Debütroman hat in der ausverkauften Vaganten Bühne in Berlin-Charlottenburg Premiere gefeiert. Die Inszenierung lotet tiefe Familiennebel aus und legt über Generationen vererbte Traumata durch eine zutiefst persönliche Reise frei.

Die Geschichte folgt Kim, einer Erzählerin, deren Leben aus den Fugen gerät, als die Demenz der Großmutter sie in die Kindheitserinnerungen eines Schweizer Vororts zurückwirft. Unter einer Blutbuche – gepflanzt vom Urgroßvater – findet Kim flüchtigen Halt, doch die Vergangenheit birgt düstere Wahrheiten.

Während Kim die Geschichte des Baumes erforscht, stößt sie auf eine verborgene mütterliche Blutlinie, geprägt von Zwangsabtreibungen, Massenvergewaltigungen und verlassenen Kindern. Diese Enthüllungen werden zur Suche nach dem Durchbrechen des Schweigens – und zur Verwandlung von Scham in Selbstakzeptanz in einem genderfluiden Körper, der sich binären Zuschreibungen entzieht.

Auf der Bühne verkörpern drei Schauspieler:innen – Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger – Kim und verweben fragmentierte Erinnerungen. Das Bühnenbild zeigt zerrissene, beige Strumpfhosen, die von der Decke hängen, gefüllt mit Sand und beschwerten Kugeln – Symbole für die Lasten der Vergangenheit. Am Ende legen die drei gemeinsam das "Große Meer" zur Ruhe und zerschlagen so das Schweigen, das Generationen gefangen hielt.

Die rohe Intensität der Inszenierung spiegelt Kims Kampf um die Rückeroberung der eigenen Identität wider und verschmilzt persönliche und historische Wunden zu einer einzigen, kathartischen Erzählung.

Die Premiere markiert eine mutige Auseinandersetzung mit vererbtem Trauma – auf der Bühne wie im Publikum. Durch Kims Reise verwandelt das Stück privates Leid in einen kollektiven Akt der Heilung. Die ausverkaufte Vorstellung unterstreicht seine Wirkungskraft und lässt keinen Zweifel an der emotionalen Wucht des Stücks.

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