30 June 2026, 00:12

Deutsche Industrie flieht ins Ausland – und lässt Arbeitsplätze in Deutschland zurück

Bis zu 100.000 Jobs in Gefahr: Wohin die deutsche Industrie zunehmend geht

Deutsche Industrie flieht ins Ausland – und lässt Arbeitsplätze in Deutschland zurück

Deutsche Industrieunternehmen verlagern ihre Aktivitäten zunehmend ins Ausland – getrieben von steigenden Kosten und betrieblichen Herausforderungen. Eine aktuelle Umfrage zeigt: Fast alle planen bis 2030 eine Expansion in Indien, wo sie mit einem durchschnittlichen Umsatzplus von 4 % rechnen. Neue Arbeitsplätze in Deutschland bleiben jedoch unwahrscheinlich.

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Hohe Lohnkosten sind ein zentraler Grund für den Wandel. Mit 22 % über dem EU-Durchschnitt liegen sie mehr als doppelt so hoch wie in asiatischen oder osteuropäischen Ländern. Überbürokratisierung und teure Energie haben Unternehmen zusätzlich dazu bewegt, Produktion und Forschung ins Ausland zu verlagern.

Unterbrechungen in den Lieferketten gelten inzwischen als größtes betriebliches Risiko. Viele Unternehmen setzen daher auf eine „lokal für lokal“-Strategie, um Abhängigkeiten zu verringern. Fast die Hälfte der befragten Firmen plant zudem, mehr Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in globale Regionen zu verlegen.

Der Arbeitsplatzabbau in der deutschen Industrie hat sich beschleunigt. Seit 2019 gingen 341.500 Stellen verloren – das entspricht jedem siebzehnten Job. Bis Anfang 2026 wurden weitere 127.300 Arbeitsplätze abgebaut, ein Rückgang um 2,3 % gegenüber dem Vorjahr. Der Chemiekonzern Evonik etwa kündigte an, nach bereits 2.800 gestrichenen Verwaltungsstellen seit 2024 weitere 3.200 Jobs – vor allem in Deutschland – zu streichen.

Auch die Investitionstrends spiegeln diese Entwicklung wider. Rund 40 % der Budgets bis 2030 fließen in die Instandhaltung und Automatisierung bestehender deutscher Standorte. Neue Kapazitäten und Arbeitsplätze entstehen hingegen eher im Ausland. Nur 16 % der Unternehmen wollen ihre Belegschaft in Deutschland oder Westeuropa ausbauen.

Die Umfrage unterstreicht einen klaren Trend: Deutsche Firmen setzen auf Kosteneffizienz und Resilienz – auf Kosten des heimischen Arbeitsmarkts. Während die Expansion in Märkten wie Indien die Umsätze treiben soll, dominieren in Deutschland Automatisierung und Instandhaltung die Investitionen. Die Aussichten für neue Jobs im Land bleiben begrenzt.

Quelle