"Die Parabel des Säure": Ein radikales Körpermanifest bei den Wiener Festwochen
Claudia Hoffmann"Die Parabel des Säure": Ein radikales Körpermanifest bei den Wiener Festwochen
Eine mutige neue Performance: Die Parabel des Säure feiert Premiere bei den Wiener Festwochen im Odeon
Unter der Regie der französischen Kulturschaffenden Rébecca Chaillon zeigt das Stück sieben Performende, die sich in auffälligen und ungewöhnlichen Aktionen mit den Themen Fett, Glaube und körperliche Normen auseinandersetzen.
Inspiriert von Octavia Butlers Roman Parabel der Säerin erkundet die Produktion die „Magie des Glaubens“ im Alltag. Chaillon, eine prägende Figur der französischen Kulturszene, beschreibt sich selbst als „schwarze, dicke, kinderlose, alternde Lesbe“ und bringt damit eine einzigartige Perspektive auf die Bühne.
Auf der Bühne tragen die Darstellenden zunächst buttergelbe Roben, bevor sie sich entkleiden, um Butter herzustellen. Mal in goldener Unterwäsche, mal in wilden Fressorgien, mal in Alufolie gewickelt oder in Bodybuilder-Posen – sie inszenieren auch Szenen aus The Biggest Loser, bestreichen sich gegenseitig mit Gelee und wälzen sich auf dem Boden.
Das Ensemble, das sich nicht an herkömmliche Körperideale hält, widmet fast drei Stunden dem Austausch über die eigenen Hintergründe: Geschichten aus den Pariser Banlieues, körperliche Gewalt, Essanfälle, Kaufzwang und körperliches Leid. Die Performenden entschuldigen sich für ihre „regelbrechenden“ Körper, gestehen ungewöhnliche Essgewohnheiten – und Julie Teuf reicht dem Publikum sogar Butter, lädt zum Kosten ein und verlost sie.
Die Aufführung stellt gesellschaftliche Körperbilder infrage und nutzt provokante Bilder sowie persönliche Erzählungen, um Akzeptanz und Glauben zu thematisieren. Das Publikum verlässt den Saal mit einer direkten, sinnlichen Verbindung zu den zentralen Ideen des Stücks.






