EMAF in Osnabrück: Streit um Künstlerin Samah Al-Sharif entfacht politische Debatte
Paul WagnerEMAF in Osnabrück: Streit um Künstlerin Samah Al-Sharif entfacht politische Debatte
Europäisches Medienkunstfestival (EMAF) in Osnabrück löst mit Film von Künstlerin Samah Al-Sharif Debatte aus
Das Europäische Medienkunstfestival (EMAF) in Osnabrück hat für Diskussionen gesorgt, nachdem es einen Film der Künstlerin Samah Al-Sharif in sein diesjähriges Programm aufgenommen hat. Ihr Werk Morning Circle soll im Rahmen der Veranstaltung gezeigt werden. Die Entscheidung stieß auf Kritik bei lokalen Politikern, doch die Finanzierung des Festivals bleibt vorerst gesichert.
Die künstlerische Leiterin des Festivals verteidigte die Auswahl Al-Sharifs und bezeichnete deren umstrittene Social-Media-Beiträge – darunter ein umstrittenes Halloween-Foto – als interpretationswürdig. Die Künstlerin selbst sieht sich jedoch mit Vorwürfen des Antisemitismus und der Unterstützung der BDS-Bewegung konfrontiert. Kritiker argumentieren, dass nicht ihr künstlerisches Schaffen, sondern ihre politischen Äußerungen im Zentrum der Kontroverse stehen.
Der Kulturbeauftragte Osnabrücks bedauerte die Entscheidung und erklärte, das Festival hätte es vermeiden sollen, Positionen zu fördern, die mit Antisemitismus in Verbindung gebracht werden könnten. Gleichzeitig betonte die Landesregierung, sie respektiere die programmatische Autonomie des Festivals, lehne Antisemitismus jedoch entschieden ab. Sowohl die Stadt als auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) distanzierten sich öffentlich von der Veranstaltung.
Das diesjährige Festival steht unter dem Motto Eine unvollständige Versammlung und untersucht die Rolle von Kunst und politischen Institutionen bei der Wahrung künstlerischer Freiheit. Das Programm umfasst Beiträge von palästinensischen, jüdischen und israelischen Künstlern – ein bewusster Versuch, vielfältige Perspektiven abzubilden.
Die BDS-Bewegung, eine 2005 gegründete palästinensische Kampagne, setzt sich für gewaltfreien Widerstand ein, stößt in Europa jedoch auf erhebliche rechtliche und politische Hindernisse. In Deutschland sieht sie sich Repressionen ausgesetzt, auch wenn einige Einrichtungen wie die Hertie School sie über studentische Beschlüsse unterstützen.
Trotz der Kontroverse bleibt die Finanzierung des EMAF unverändert. Al-Sharifs Film wird wie geplant gezeigt, während das Festival weiterhin mit Kritik von kommunalen und regionalen Vertretern umzugehen hat. Die Debatte verdeutlicht die anhaltenden Spannungen zwischen künstlerischer Freiheit und politischer Verantwortung.






