Erlangen verbietet "sexistische" Festhits – Wirte und Künstler protestieren
Lea HerrmannErlangen verbietet "sexistische" Festhits – Wirte und Künstler protestieren
Erlangens Stadtverwaltung hat eine Liste „sexistischer“ Festhits erstellt, die beim diesjährigen Bergkirchweih-Volksfest gemieden werden sollen. Der Schritt folgt einer Beschwerde einer Frau, die berichtete, sie sei bei der Veranstaltung begrapscht und durch gespielte Lieder in unangenehme Situationen gebracht worden. Wirte zeigen sich jedoch skeptisch gegenüber den neuen Vorgaben.
Die Entscheidung kam zustande, nachdem eine Besucherin über aggressives Verhalten von Männern und die Texte bestimmter Lieder klagte. Daraufhin prüften die Grünen-Politikerinnen Reka Lörincz und Nora Hahn-Hobeck die als „problematisch“ eingestuften Stücke. Zu den indizierten Titeln gehört Skandal im Sperrbezirk, eine satirische Abrechnung mit dem Münchner Prostitutionsverbot.
Der Stadtrat – unterstützt von CSU, Linken und SPD – hatte bereits 2021 Lieder mit „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ beim Bergkirchweih verurteilt. Zwar kann die Stadt die Titel nicht rechtlich verbieten, doch appelliert sie an die Wirte, auf sie zu verzichten – viele von ihnen sind für ihre Genehmigungen auf das Wohlwollen der Behörde angewiesen.
Künstler reagieren empört auf die Einschränkungen. Peter Wackel, dessen Hit Joana die Zeile Du geile Sau enthält, behauptet, viele Musiker hätten mittlerweile „null Bock“, in Deutschland aufzutreten. Jürgen Thurnau, Sänger der Spider Murphy Gang, vergleicht die Situation mit der Zensur in der DDR. Unterdessen zweifeln Wirte daran, ob die Liste das Verhalten auf dem Fest tatsächlich ändern wird.
Ziel der Schwarzen Liste ist es, anstößige Inhalte beim Bergkirchweih zu reduzieren – doch ob sie wirkt, bleibt ungewiss. Während die Gastronomen unter Druck geraten, kritisieren Künstler die wachsenden Beschränkungen. Die Debatte zeigt das Spannungsfeld zwischen Tradition und sich wandelnden gesellschaftlichen Standards bei öffentlichen Veranstaltungen.






