Ex-Staatssekretär Graichen fordert radikale Energiewende nach skandinavischem Vorbild
Lea HerrmannHabecks Staatssekretär Graichen kritisiert die Energiepolitik der Bundesregierung - Ex-Staatssekretär Graichen fordert radikale Energiewende nach skandinavischem Vorbild
Patrick Graichen, ehemaliger Staatssekretär für Energiepolitik, kritisiert die anhaltende Abhängigkeit Deutschlands von Öl und Gas. Seine Äußerungen fallen in eine Zeit, in der skandinavische Länder mit grüner Alternativtechnologie voranschreiten und Elektroautos sowie Wärmepumpen sowohl zur Standardlösung als auch bezahlbar machen. Graichen argumentiert, dass wirtschaftliche Verflechtungen mit fossilen Brennstoffen und politischer Widerstand den Fortschritt blockieren.
Graichen hatte sein Amt im Mai 2023 verlassen, nachdem Robert Habeck ihn vorzeitig in den Ruhestand versetzt hatte. Dieser Schritt folgte auf einen Interessenkonflikt während des Auswahlverfahrens für den Aufsichtsrat der Deutschen Energie-Agentur. Seither äußert er sich offen über Schwächen in der deutschen Energiestrategie.
In den vergangenen fünf Jahren haben Norwegen, Schweden und Dänemark ihre Energiesektoren grundlegend umgestaltet. Norwegen geht mit gutem Beispiel voran: Über 90 % der Neuzulassungen entfallen auf Elektroautos – ermöglicht durch Mehrwertsteuerbefreiungen und den Verzicht auf Mautgebühren. Schweden steigerte die Installation von Wärmepumpen um 50 %, gefördert durch Zuschüsse für grüne Technologien. Dänemarks CO₂-Steuern machten Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen 20–30 % günstiger als fossile Alternativen und werden deren Preise bis 2025 unter denen von Benzinern und Gasheizungen drücken.
Graichen verweist auf diese Maßnahmen als Beweis, dass Wandel möglich ist. Er schlägt vor, die Stromsteuer abzuschaffen, Netzentgelte zu reformieren und stärkere Anreize für Elektroautos und Wärmepumpen zu schaffen. Sein Ziel: die Preise fossiler Alternativen angleichen, um nachhaltige Lösungen zur selbstverständlichen Wahl zu machen.
Er warnt, dass das Ignorieren der Klimakrise diese nicht verschwinden lässt. Stattdessen prognostiziert er eine Rückkehr zur Nachhaltigkeit – sei es durch politische Weichenstellungen oder schiere Notwendigkeit.
Die aktuelle deutsche Energiepolitik bleibt weiterhin an Öl und Gas gebunden, trotz geopolitischer Risiken und ökologischer Bedenken. Währenddessen zeigen die skandinavischen Länder, wie Subventionen, Steuern und Vorgaben die rasche Verbreitung grüner Technologien vorantreiben können. Graichens Vorschläge zielen darauf ab, die Kosten anzugleichen und Elektroautos sowie Wärmepumpen genauso erschwinglich zu machen wie ihre fossilen Pendants.






