Florentina Holzinger inszeniert ein spektakuläres Pfingstspiel zwischen Chaos und Frieden
Lea HerrmannFlorentina Holzinger inszeniert ein spektakuläres Pfingstspiel zwischen Chaos und Frieden
Ein mutiges und visuell atemberaubendes Pfingstspiel eroberte vergangenes Wochenende Wien
Unter der Regie von Florentina Holzinger verschmolz die Aufführung im Wiener Eislaufverein extreme Körperlichkeit mit symbolträchtigem Spektakel. Das Publikum erlebte alles – von einer mit Taubenhelm fallschirmspringenden Figur bis zu einem Monstertruck, der ein hölzernes Panzer-Attrappe zermalmte.
Die Produktion begann mit Holzinger und ihrem rein weiblichen Ensemble, das im Innenhof von Schloss Prinzendorf – dem historischen Sitz von Hermann Nitschs Orgien-Mysterien-Theater – ein Letztes Abendmahl inszenierte. Einige Performerkünstlerinnen schwebten in der Luft, andere setzten sich intensiven körperlichen Akten aus, darunter Haken, die unter ihre Haut eingesetzt wurden. Eine nackte Frau stieg anschließend in Zeitlupe an der Fassade des Hotels Intercontinental hinab und steigerte so die rohe Intensität der Darstellung.
Später zermalmte ein Monstertruck einen hölzernen Panzer – ein bewusst gewähltes Symbol der Zerstörung, das sich in einen Appell für Frieden verwandelte. Der Heilige Geist machte einen dramatischen Auftritt: Ein Fallschirmspringer mit Taubenhelm landete neben dem Trümmerfeld und pflanzte eine weiße Fahne. Holzinger würdigte zudem Nitschs Erbe mit einer Malaktion – eine gekreuzigte Performerin wurde von Drohnen mit roter Farbe besprüht und schuf so ein packendes, großformatiges Tableau.
Der Abend endete mit Holzinger und ihrem Ensemble, die sanft in der Luft schwebten, ihre Körper im Nachtlicht erstrahlten. Der Kontrast zwischen dem früheren Chaos und diesem finalen, friedvollen Moment hinterließ bei den Zuschauern einen bleibenden Eindruck.
Holzingers Pfingstspiel verband Provokation und Feingefühl und nutzte extreme Bilder, um Themen wie Glauben, Zerstörung und Erneuerung zu erkunden. Die Mischung aus Maschinen, Luftakrobatik und rituellen Handlungen machte die Aufführung zu einem der ehrgeizigsten Theaterereignisse Wiens in diesem Jahr.






