Frauen dominieren Apotheken – doch der Spagat zwischen Job und Familie wird immer schwerer
Claudia HoffmannFrauen dominieren Apotheken – doch der Spagat zwischen Job und Familie wird immer schwerer
Deutschlands Apothekenbranche bleibt stark von Frauen abhängig – doch viele kämpfen mit der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben
In der deutschen Apothekenbranche sind Frauen mit fast 90 Prozent der Belegschaft deutlich in der Mehrheit, doch viele sehen sich weiterhin mit großen Herausforderungen konfrontiert, wenn es um die Balance zwischen Arbeit und Privatleben geht. Die Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen und gerechterer Bezahlung werden immer lauter. Gleichzeitig zeigt sich ein kontinuierlicher Rückgang der öffentlichen Apotheken im Land.
Im Jahr 2024 arbeiteten rund 162.000 Menschen in deutschen Apotheken – 89,2 Prozent davon waren Frauen. Besonders ausgeprägt ist das Ungleichgewicht in bestimmten Berufen: 96,6 Prozent der Pharmazeutisch-technischen Assistentinnen (PTA) und 97,5 Prozent der Pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten (PKA) sind weiblich. Auch unter den approbierten Apothekerinnen liegt der Frauenanteil bei 74,1 Prozent, und in der Ausbildung sind es 74,8 Prozent.
Doch neben ihren beruflichen Pflichten tragen Frauen in der Branche auch den Großteil der unbezahlten Care-Arbeit. Studien zufolge übernehmen sie etwa zwei Drittel der Kinderbetreuung, wenden deutlich mehr Zeit für Haushaltsaufgaben auf und sind hauptsächlich für die Pflege älterer Angehöriger verantwortlich. Trotz dieser Mehrfachbelastung beträgt der Gender-Pay-Gap in Deutschland rund 16 Prozent – Frauen verdienen im Schnitt 4,10 Euro weniger pro Stunde als Männer in vergleichbaren Positionen.
Apothekenmitarbeiterinnen, die den Großteil der Belegschaft stellen, erfüllen zentrale Aufgaben wie Patientenberatung, Arzneimittelsicherheit und organisatorische Tätigkeiten. Befürworterinnen und Befürworter argumentieren, dass verbesserte Arbeitsbedingungen – etwa durch flexiblere Arbeitszeiten – helfen würden, Beruf und Privatleben besser zu vereinbaren. Zudem fordern sie die Politik auf, den Kündigungsschutz für Teilzeitkräfte zu stärken und Care-Arbeit stärker in der Rentenberechnung zu berücksichtigen.
Gleichzeitig geht die Zahl der öffentlichen Apotheken deutlich zurück. Von 19.081 Standorten im Jahr 2020 sank die Zahl bis 2025 auf 16.771 – ein Rückgang um 12 Prozent. Aktualisierte Daten der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) korrigierten die Zahl für 2025 später auf 16.601.
Die Belegschaft in deutschen Apotheken schrumpft weiter, während sich die geschlechtsspezifischen Disparitäten – sowohl bei den Beschäftigtenzahlen als auch bei der Bezahlung – verschärfen. Da Frauen die Branche dominieren, aber mit ungerechten Löhnen und einer höheren Care-Last konfrontiert sind, wächst der Druck für strukturelle Veränderungen. Flexiblere Arbeitsmodelle und eine fairere Anerkennung von Care-Arbeit in der Rente bleiben zentrale Forderungen, während sich die Branche weiterentwickelt.






