Kohleausstieg in Gefahr: Merz' Laufzeit-Pläne sorgen für Streit über Deutschlands Energiestrategie
Paul WagnerKohleausstieg in Gefahr: Merz' Laufzeit-Pläne sorgen für Streit über Deutschlands Energiestrategie
Deutschlands geplanter Kohleausstieg droht Verzögerungen, nachdem Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) eine längere Laufzeit der Kraftwerke ins Spiel gebracht hat. Seine Äußerungen fallen in eine Phase wachsender Sorgen vor Energieengpässen und der Umstellung auf erneuerbare Energien. Die Grünen forderten daraufhin Brandenburgs Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) auf, sich gegen eine Verschiebung der Stilllegungen zu stellen.
Merz argumentierte, dass bestehende Kohlekraftwerke möglicherweise über die geplanten Abschalttermine hinaus betrieben werden müssten. Er betonte die Bedeutung einer stabilen Stromversorgung in Deutschland – insbesondere bei drohenden Engpässen. Seine Aussagen könnten den Zeitplan für das Ende der Kohleverstromung aufweichen, der ursprünglich im Rahmen des Ausstiegsplans festgelegt worden war.
Die Bundesregierung hat im Zuge des Kohlekompromisses bereits rund 1,75 Milliarden Euro als Ausgleichszahlung für den Energiekonzern LEAG zugesagt. Das Unternehmen baut unterdessen seinen Ausbau erneuerbarer Energien in der Lausitz aus, mit Fokus auf Wind- und Solarprojekte. Die einst vom Braunkohlebergbau geprägte Region durchläuft damit einen tiefgreifenden Wandel im Zuge der deutschen Energiewende.
Seit dem Jahr 2000 setzt Deutschland zunehmend auf erneuerbare Energien. 2025 stammten bereits 23,8 Prozent des Bruttoendenergieverbrauchs aus Ökostrom – ein Anstieg gegenüber 19,1 Prozent im Jahr 2020. Die Windkraft lag mit 133,9 Milliarden Kilowattstunden an der Spitze, während die gesamte Erzeugung aus erneuerbaren Quellen 541 Milliarden Kilowattstunden erreichte. Davon flossen 54 Prozent in die Stromerzeugung. Der Anteil der Kohle sinkt im Zuge dieser Entwicklung kontinuierlich.
Die Grünen reagierten mit einem Appell an Woidke, den Fahrplan für den Kohleausstieg einzuhalten. Sie betonten, wie wichtig Planungsicherheit für den Schutz der Beschäftigten und die laufenden Investitionen in den Strukturwandel sei.
Merz' Vorstoß, die Laufzeiten von Kohlekraftwerken zu verlängern, könnte die deutsche Energiestrategie verändern. Die vereinbarten Bundeshilfen für LEAG und der Ausbau der Erneuerbaren in der Lausitz bleiben zentrale Bausteine der Wende. Jede Verzögerung hätte Auswirkungen – sowohl auf den Zeitplan des Kohleausstiegs als auch auf den insgesamt beschleunigten Umstieg auf saubere Energiequellen.






