Lales zerrissene Kindheit in einer Berliner Männer-WG der 1980er
Ein neues Buch von Lilli Tollkien erzählt vom turbulenten Aufwachsen der kleinen Lale, die in den 1980er-Jahren in einer Berliner Männer-WG groß wurde."Den Himmel mit beiden Händen halten" zeichnet ihre frühen Jahre nach, geprägt von Vernachlässigung, staatlichen Eingriffen und der harten Realität eines radikalen politischen Umfelds. Die Geschichte beginnt, als die erst achtzehn Monate alte Lale ihrer heroinabhängigen Mutter weggenommen wird, nachdem sie versehentlich Rohypnol-Tabletten verschluckt hat.
Lales Eltern waren tief verstrickt in die politischen Umbrüche Westdeutschlands. Ihre Mutter kämpfte mit einer Heroinsucht, während ihr Vater, ein Kleinkrimineller mit Verbindungen zur linksradikalen APO-Bewegung, zeitweise im Gefängnis saß. Als er später in die Wohngemeinschaft zog, blieb ihm die Gefahr, der Lale dort ausgesetzt war, verborgen.
Innerhalb der Kommune erlebte Lale eine giftige Welt. Sie kam früh mit Drogen in Kontakt und wurde von einem Mitbewohner sexuell missbraucht. Für eine Weile bot ihr die Schule Halt und einen sicheren Ort. Doch mit Beginn der Pubertät stürzte sie in Sucht und instabile Beziehungen ab.
Hintergrund von Lales Schicksal ist das politisch aufgeladene Klima Westdeutschlands in den 1970er- und 1980er-Jahren. Auf Willy Brandts sozialliberale Reformen folgte 1982 die konservative Ära unter Helmut Kohl – eine Zeit wirtschaftlicher Krisen und Ölschocks. Das Erbe der 68er-Proteste, radikalisiert durch Gruppen wie die RAF, spaltete die Gesellschaft. Junge Menschen waren zerrissen zwischen politischem Aktivismus, der Angst vor Terrorismus und antiautoritären Strömungen – ein chaotisches Umfeld, das Lales Kindheit prägte.
Lales Leben steht exemplarisch für die Extreme einer Generation, die von politischem Umbruch und sozialer Zerrissenheit geprägt wurde. Ihre Geschichte, nun in Tollkiens Buch dokumentiert, zeigt die langfristigen Folgen von Vernachlässigung und Radikalisierung auf schutzbedürftige Menschen. Das Buch ist ein Zeugnis des Überlebens in einer Zeit, in der Ideologie und Instabilität die Zukunft vieler junger Menschen bestimmten.






