NRW-Polizei rüstet sich mit OSINT gegen digitalen Extremismus und Kriminalität
Paul WagnerNRW-Polizei rüstet sich mit OSINT gegen digitalen Extremismus und Kriminalität
Nordrhein-Westfalens Polizei baut digitale Ermittlungskompetenz massiv aus
Die Polizei in Nordrhein-Westfalen hat eine großangelegte Offensive gestartet, um ihre digitalen Ermittlungsfähigkeiten zu stärken. Im Mittelpunkt steht die Nutzung von Open-Source-Intelligence (OSINT) – also öffentlich zugänglicher Onlinedaten – zur Bekämpfung von Kriminalität und Extremismus. Ein neues Schulungsprogramm und erweiterte Teams unterstützen diese Bemühungen landesweit.
Den Auftakt der Ausbaumaßnahmen bildete im September 2024 das Projekt „Digitale Streife“. Im Rahmen dieser Initiative wurden zehn Beamte dem Landeskriminalamt (LKA) in Düsseldorf zugeteilt, zudem entstanden spezielle Ermittlungseinheiten bei sechs Staatsschutzbehörden. Fabian Coenen, 42, leitet dort die Abteilung 22.2, deren Team sich auf OSINT bei politisch motivierter Kriminalität spezialisiert hat.
Vom Zweier-Team zur spezialisierten Einheit Die OSINT-Abteilung des LKA ist von einst zwei Mitarbeitern auf eine 16köpfige Unterabteilung angewachsen. Mittlerweile arbeiten dort IT-Experten, Soziologen und Politikwissenschaftler Hand in Hand – ein Spiegelbild der vielfältigen Kompetenzen, die moderne digitale Polizeiarbeit erfordert. Das Team unterstützt sechs Spezialeinheiten, die bei schnell eskalierenden politischen Ereignissen zügige Recherchen und Reaktionen ermöglichen.
Schulungen als Schlüssel zum Erfolg Ein zentraler Baustein der Initiative ist die Standardisierung von OSINT-Fähigkeiten. Das Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten (LAFP) in Neuss bietet ein webbasiertes Schulungsprogramm an. Ausbilder wie Marc Restemeyer vermitteln den Teilnehmern, wie sie Daten aus sozialen Medien und anderen offenen Quellen rechtssicher und effizient sammeln und auswerten.
Das LKA als Drehscheibe der „Digitalen Streife“ Das Landeskriminalamt fungiert zudem als zentrale Koordinationsstelle des Projekts. Es steuert die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung, sorgt für einheitliche Standards und vernetzt die verschiedenen Polizeibehörden. Kernziel der Initiative ist die Bekämpfung von digitalem Extremismus, den die Behörden als wachsenden Brandbeschleuniger für Radikalisierung und Terrorismus einordnen.
Vorbild für andere Bundesländer Mit den ausgebauten OSINT-Kapazitäten verfügt die nordrhein-westfälische Polizei nun über schärfere Instrumente, um Online-Bedrohungen zu erkennen und zu bekämpfen. Durch spezialisierte Schulungen und mehr Personal ist sie besser aufgestellt für digitale Ermittlungen. Gleichzeitig dient das Projekt als Blaupause für andere Regionen, die ihre Cyber-Polizeiarbeit modernisieren wollen.






