Patt nach Landtagswahl: CDU und Grüne ringen um Macht in Baden-Württemberg
Claudia HoffmannPatt nach Landtagswahl: CDU und Grüne ringen um Macht in Baden-Württemberg
Landtagswahl in Baden-Württemberg endet mit Patt – CDU und Grüne erringen jeweils 56 Sitze
Die Landtagswahl in Baden-Württemberg endete mit einem Pattsituation: Sowohl die CDU als auch die Grünen sicherten sich jeweils 56 Mandate. Die CDU erhielt jedoch knapp 30.000 Stimmen mehr, was den Weg für einen erbitterten Machtkampf ebnete. Manuel Hagel, der amtierende CDU-Landesvorsitzende, gab überraschend noch am Wahlabend eine Niederlage zu – doch seine Partei ging seitdem aggressiv in die Offensive.
Die Grünen lagen mit 30,2 Prozent knapp vor der CDU (29,7 Prozent). Trotz des Sitzgleichstands beanspruchte Cem Özdemir (Grüne) das Recht, die Regierung zu bilden, und berief sich dabei auf den minimalen Stimmenvorsprung seiner Partei. Hagel jedoch weigerte sich, kampflos zurückzutreten, und erklärte, eine Koalition mit der rechtspopulistischen AfD sei "kein Amt auf der Welt wert".
Die CDU änderte schnell ihre Taktik und schlug ein rotierendes Ministerpräsidentenamt vor: zweieinhalb Jahre für Hagel, gefolgt von derselben Amtszeit für Özdemir. Dieser wies den Vorschlag als "Unsinn" zurück und bestand darauf, sofort das Amt zu übernehmen. Unterdessen verschärften CDU-Generalsekretär Stefan Vogt und Agrarminister Peter Hauk ihre Angriffe auf die Grünen und verteidigten mit scharfer Rhetorik Hagels Führungsanspruch.
Hinter den Kulissen arbeitete die Partei daran, ihre Verhandlungsposition zu stärken. Ein CDU-Vorstandsmitglied brachte sogar ein verfassungsrechtliches Schlupfloch ins Spiel: Wird innerhalb von drei Monaten kein Ministerpräsident vereidigt, könnten Neuwahlen ausgelöst werden. Die Fraktion bestätigte Hagel zudem als kommissarischen Vorsitzenden und unterstrich damit ihren Widerstand gegen Özdemirs Anspruch auf das Amt.
Trotz ihrer historischen Niederlage bei der letzten Wahl fordert die CDU nun mehr Ressorts im künftigen Kabinett. Ihre Strategie zielt offenbar darauf ab, das knappe Ergebnis auszunutzen, um Zugeständnisse zu erpressen, statt einen reibungslosen Machtwechsel zu akzeptieren.
Das Wahlergebnis hat Baden-Württemberg in eine politische Unsicherheit gestürzt. Da beide Seiten unnachgiebig bleiben, könnten sich die Verhandlungen hinziehen. Falls innerhalb von drei Monaten keine Einigung erzielt wird, drohen Neuwahlen – und die Unsicherheit würde sich weiter verlängern.