Silhouettenschiessen: Mexikanische Tradition erobert deutsche Schützenvereine
Claudia HoffmannSilhouettenschiessen: Mexikanische Tradition erobert deutsche Schützenvereine
Scheibenschiessen mit Tier-Silhouetten – eine Disziplin mit mexikanischen Wurzeln und wachsender deutscher Fangemeinde
Das Scheibenschiessen auf Tier-Silhouetten, eine Schießsportart mit Ursprüngen im Mexiko des frühen 20. Jahrhunderts, hat sich in Deutschland zu einer organisierten Disziplin entwickelt. Der deutsche Schützenbund BDS hat die Sportart mittlerweile in sein offizielles Regelwerk aufgenommen – in der nationalen Variante stehen die Ziele bis zu 50 Meter entfernt. Erst kürzlich zogen die Deutschen Meisterschaften im badischen Philippsburg 151 Teilnehmer über drei Tage an und demonstrierten damit das strukturierte, aber anspruchsvolle Format des Sports.
Die Wurzeln des Sports liegen in Mexiko, wo ursprünglich lebende Tiere als Ziele dienten. Ab 1948 wurden diese durch Stahl-Silhouetten in Form von Hühnern, Schweinen, Truthähnen und Widdern ersetzt – heute als siluetas metálicas bekannt. Heute wird die Sportart von der International Metallic Silhouette Shooting Union (IMSSU) in 26 Ländern koordiniert, darunter auch Deutschland.
Die Wettkämpfer durchlaufen eine festgelegte Abfolge: Sie schießen auf die tierförmigen Ziele in einer Reihenfolge nach Größe und Entfernung – Huhn, Schwein, Truthahn und schließlich Widder. Bei den Deutschen Meisterschaften musste jeder Schütze pro Distanz fünf Ziele treffen, bei einer maximal möglichen Trefferzahl von 40. Insgesamt gab es während des Turniers 447 Schussversuche.
Die Disziplin ist für verschiedene Schusswaffen ausgelegt – von Pistolen und Revolvern bis hin zu Gewehren in unterschiedlichen Kalibern. Kurzwaffenschützen feuern aus der Bauchlage, oft mit Techniken wie "Creedmoor" oder "Dead Frog". Bei Langwaffen wird die Herausforderung größer: Hier müssen die Ziele im Stehen, ohne Unterstützung, auf Distanzen von bis zu 500 Metern getroffen werden.
In Deutschland bleibt das Silhouettenschiessen zwar eine Nischensportart, doch die Szene ist aktiv. Rund 20 bis 30 Vereine, vor allem in süddeutschen Bundesländern wie Bayern und Baden-Württemberg, veranstalten regelmäßig Wettbewerbe. In Nord- und Ostdeutschland gibt es dagegen nur wenige Angebote – weniger als fünf Vereine insgesamt.
Durch das klare Reglement und die Vielfalt der Waffenklassen ist der Sport für verschiedene Leistungsniveaus zugänglich. Während die IMSSU internationale Standards setzt, halten deutsche Vereine die lokale Begeisterung aufrecht. Die jüngsten Meisterschaften in Philippsburg unterstrichen nicht nur die Präzisionsanforderungen, sondern auch das wachsende Interesse an dieser besonderen Schießdisziplin.
2026 Schießkalender enthüllt: Philippsburg für mehrere wichtige Veranstaltungen
Der Schießkalender für 2026 wurde bestätigt, wobei Philippsburg mehrere wichtige Veranstaltungen ausrichtet. Die Deutsche Meisterschaft im Wurfscheibenschießen findet vom 8. bis 10. Mai 2026 statt, gefolgt von Wettbewerben im Wurfscheibenschießen und Standardprogramm im September. Eine separate Meisterschaft im Wurfscheibenschießen findet in Dänischenhagen 9. bis 11. Oktober 2026 statt.