Spritpreise explodieren: Drohen jetzt auch Versorgungsengpässe in Deutschland?
Claudia HoffmannSpritpreise explodieren: Drohen jetzt auch Versorgungsengpässe in Deutschland?
Spritpreise in Deutschland steigen weiter – Sorge vor Engpässen wächst
Die Kraftstoffpreise in Deutschland klettern weiterhin in die Höhe und lösen verbreitet Besorgnis aus. Die Bundesregierung hat erste Maßnahmen ergriffen, um die Preisspirale zu bremsen, doch gleichzeitig mehren sich Warnungen vor möglichen Versorgungsengpässen. Die Mineralölindustrie wehrt sich unterdessen gegen Kritik und betont, nicht für die hohen Spritkosten an der Zapfsäule verantwortlich zu sein.
Noch vor den jüngsten Konflikten im Nahen Osten zahlten deutsche Autofahrer im Jahr 2021 im Schnitt 1,52 Euro pro Liter für Super E10 und 1,39 Euro für Diesel. Damit lag Deutschland im Mittelfeld der EU – mit niedrigeren Preisen in Osteuropa (in Polen kostete Benzin etwa 1,34 Euro im Durchschnitt) und höheren Kosten in nordischen Ländern wie Dänemark. Hauptgrund für die überdurchschnittlichen Spritpreise in Deutschland waren schon lange die Steuern: Staatliche Abgaben machten rund zwei Drittel des Benzinpreises und mehr als die Hälfte des Dieselpreises aus.
Doch der aktuelle Preisanstieg wird nicht allein vom Rohöl, sondern vor allem von den internationalen Produktmärkten getrieben. Die meisten deutschen Raffinerien und Tankstellen agieren unabhängig voneinander – über 70 Prozent der Raffineriekapazitäten werden von Unternehmen kontrolliert, die kein eigenes Tankstellennetz betreiben. Diese Struktur führt dazu, dass Preisschwankungen eng an globale Marktentwicklungen geknüpft sind.
Wirtschaftsministerin Katerina Reiche warnte nun, dass es bereits Ende April zu Kraftstoffknappheit kommen könnte, sollte sich der Krieg im Nahen Osten weiter zuspitzen. Auch das Finanzministerium unter Lars Klingbeil betonte, der Staat profitiere nicht von den hohen Preisen. Angesichts der öffentlichen Verärgerung veröffentlichte der Branchenverband en2x – Wirtschaftsverband Fuels und Energie e.V. eine "Realitätscheck zu den Spritpreisen", um sogenannte "populäre Fehlannahmen" über die Preisgestaltung zu widerlegen. Das Papier argumentiert, die Branche werde zu Unrecht für die steigenden Kosten verantwortlich gemacht.
An den Tankstellen bleibt der Preisdruck bestehen – eine Entlastung ist vorerst nicht in Sicht. Die ersten gouvernementalen Schritte zielen darauf ab, die Belastung für Verbraucher zu mildern, doch die Lage hängt maßgeblich von den globalen Marktbedingungen und der geopolitischen Entwicklung ab. Sollten sich die Spannungen im Nahen Osten weiter verschärfen, bleiben das Risiko von Engpässen und weitere Preiserhöhungen eine düstere Aussicht für deutsche Autofahrer.






