Streit um SAP-Lösungen für das Lieferkettengesetz eskaliert zwischen DSAG und Konzern
Nina BauerStreit um SAP-Lösungen für das Lieferkettengesetz eskaliert zwischen DSAG und Konzern
Deutsches Lieferketten-Sorgfaltspflichtengesetz (LkSG) trat 2023 in Kraft – Streit um Compliance-Lösungen
Seit Januar 2023 gilt das deutsche Lieferketten-Sorgfaltspflichtengesetz (LkSG), das große Unternehmen verpflichtet, Menschenrechts- und Umweltrisiken in ihren Lieferketten zu überwachen. Betroffen sind zunächst Konzerne mit mehr als 3.000 Beschäftigten, ab 2024 erweitert sich die Regelung auf Firmen mit mindestens 1.000 Mitarbeitenden. Eine zentrale Anforderung ist die Einrichtung von Risikomanagement-Systemen innerhalb bestehender ERP-Software, um mögliche Verstöße zu erfassen und zu melden.
Das Gesetz schreibt vor, dass Unternehmen Risiken identifizieren, präventiv handeln und jährlich über ihre Compliance-Bemühungen berichten müssen. Bei Verstößen sind Gegenmaßnahmen erforderlich, deren Umfang sich an der Schwere des Vergehens orientiert.
Streit zwischen SAP und Nutzervertretung um Kosten für LkSG-Compliance Nun ist ein Konflikt zwischen SAP und der deutschsprachigen SAP-Anwendervereinigung (DSAG) entbrannt. SAP empfiehlt für die LkSG-Einhaltung seine Tools Ariba Supplier Risk und das SAP Business Network, betont jedoch, dass Ariba Supplier Lifecycle and Performance nicht zwingend erforderlich sei. Das Unternehmen argumentiert, bestehende Kunden könnten diese Lösungen ohne zusätzliche Kosten nutzen.
Die DSAG wirft SAP hingegen vor, mit Ariba Risk Management eine teure Standardlösung für die Compliance durchzusetzen. Vorstandsmitglied Thomas Henzler kritisiert, dass Kunden faktisch für Funktionen zahlen müssten, die zur Erfüllung gesetzlicher Pflichten nötig seien. Er verweist auf SAPs Vorgehen bei der DSGVO, als Compliance-Werkzeuge in den Standard-Wartungsverträgen enthalten waren – und fordert dies auch hier ein.
SAP-Sprecherin Dana Rösiger zeigte sich überrascht von der Kritik: "Wir verstehen die Vorwürfe nicht." Sie betonte, dass die bestehenden Supplier-Management-Produkte von SAP bereits LkSG-Berichte unterstützen – ohne Zusatzkosten für aktuelle Nutzer.
Ausweitung des Gesetzes erhöht Druck auf Unternehmen Mit der Ausdehnung des LkSG auf kleinere Firmen ab 2024 steigt die Nachfrage nach Compliance-Lösungen. Während die DSAG auf kostenneutrale Integration pocht, verteidigt SAP seinen Ansatz. Unternehmen stehen nun vor der Frage, wie sie ihre Systeme am besten anpassen. Das Ergebnis dieses Streits könnte auch beeinflussen, wie andere Softwareanbieter künftig mit ähnlichen regulatorischen Anforderungen umgehen.






