Telematikinfrastruktur: Deutschland verschiebt Frist für Therapeuten bis 2027
Lea HerrmannTelematikinfrastruktur: Deutschland verschiebt Frist für Therapeuten bis 2027
Deutschland hat die Frist für die Anbindung von Therapeuten und Anbietern medizinischer Hilfsmittel an die Telematikinfrastruktur (TI) verschoben. Statt wie ursprünglich geplant bis 2026 müssen sich die rund 90.000 Leistungserbringer bundesweit nun bis zum 1. Oktober 2027 anschließen. Branchenverbände und IT-Unternehmen passen ihre Pläne derzeit an die Verlängerung an.
Hintergrund der Verzögerung ist die Einführung des E-Rezepts für Heil- und Hilfsmittel. Die Verantwortlichen sahen zusätzlichen Zeitbedarf, um eine reibungslose Integration zu gewährleisten. Der Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten (IFK) begrüßte die Fristverlängerung als "entscheidend für den Ausbau der Infrastruktur".
Das Deutsche Medizinrechenzentrum (DMRZ) wirbt weiterhin für eine freiwillige vorzeitige TI-Nutzung. Der IT-Dienstleister Cherry hingegen verzeichnet durch die Verschiebung finanzielle Einbußen in Millionenhöhe. Um die Verluste auszugleichen, treibt das Unternehmen hochmargige Projekte voran und bewirbt seine zertifizierte TIM.Pro-Lösung sowie weitere Software wie das Terminal-Management-System (TMS) und den TI-Messenger (TIM).
Bisher wird das elektronische Patientenakte (ePA)-System in Deutschland kaum genutzt: Krankenhäuser stellen nur 0,5 Prozent der ePA-Dokumente, während ambulante Praxen 99,5 Prozent beisteuern. Eine voll funktionsfähige TI könnte Wartezeiten in Notaufnahmen verkürzen, Ärzte entlasten und den nahtlosen Datenaustausch zwischen Kliniken und Praxen ermöglichen. Zudem würde sie das digitale Medikationsmanagement unterstützen – etwa durch elektronische Medikationspläne.
Die verlängerte Frist gibt den Leistungserbringern fast zwei zusätzliche Jahre für die TI-Integration. Dies soll helfen, Lücken in der Telemedizin-Nutzung zu schließen und die vernetzte Versorgung zu verbessern. Unternehmen wie Cherry passen unterdessen ihre Strategien an, um die wirtschaftlichen Folgen der Verzögerung abzufedern.






