Vom Tabu zum Trend: Wie Sexpuppen die Gesellschaft verändern
"taz" Queer Talk: Vom Tabu zum Mainstream – Die kulturelle Geschichte der Sexpuppen
Ein kürzlicher taz Queer Talk widmete sich der sich wandelnden kulturellen Rolle von Sexpuppen im vergangenen Jahrhundert. Moderiert von taz-Redakteur Jan Feddersen, war die Veranstaltung mit Susanne Regener besetzt, emeritierte Professorin für visuelle Kultur an der Universität Siegen. Ihre Forschung untersucht, wie diese Objekte von tabuisierten Kuriositäten zu alltäglichen Konsumgütern wurden.
Regeners Arbeit umfasst marginalisierte Gruppen, weibliche Bildwelten sowie die Schnittmenge von künstlicher Intelligenz und Intimität. Der Abend, organisiert in Kooperation mit Queer Nations e.V., konzentrierte sich auf ihre jüngsten Erkenntnisse zu Liebe, Technologie und dem schwindenden Stigma um künstliche Begleiter.
Erste Sexpuppen tauchten Anfang des 20. Jahrhunderts als grobe, verpönte Objekte auf. Seeleute in Europa und Japan nutzten sogenannte "Damenpuppen", doch sie wurden hart verurteilt. Das nationalsozialistische Deutschland verbot sie in den 1930er-Jahren als "entartet", während in den USA jahrzehntelang moralische Empörung herrschte.
Die 1970er-Jahre markierten einen Wendepunkt in Japan, wo Firmen wie Orient Industry anpassbare "Love Dolls" auf den Markt brachten. Diese fanden gesellschaftliche Akzeptanz – besonders unter einsamen Männern in einer alternden Bevölkerung. Im Westen hingegen brachte das letzte Jahrzehnt die Integration von KI mit sich: Unternehmen wie RealDoll bewarben die Puppen fortan als therapeutische Hilfsmittel. Bis 2025 soll der globale Markt ein Volumen von über zwei Milliarden Dollar erreichen.
Regeners Analyse zeichnet diesen Wandel vom verbotenen Fetisch zur kommerziellen Normalisierung nach. Sie verweist auf anhaltende Debatten über Objekthaftigkeit und Frauenfeindlichkeit – selbst wenn die Technologie die Puppen zunehmend als "Begleiter" statt als bloße Spielzeuge neu definiert.
Die Diskussion machte deutlich, wie Sexpuppen größere gesellschaftliche Veränderungen in Technologie, Einsamkeit und Normen spiegeln. Regeners historischer Blick zeigt ihren Weg von unterdrückten Tabus zu einem boomenden Markt. Doch trotz wachsender kultureller Präsenz bleiben die ethischen Fragen bestehen.






