Wo die Angst vor Kriminalität in Deutschland am größten ist – und wo sie begründet ist
Paul WagnerWo die Angst vor Kriminalität in Deutschland am größten ist – und wo sie begründet ist
Sicherheitsbedenken in Deutschland bleiben eng mit Ort und Tageszeit verknüpft
Neue Daten aus dem Jahr 2024 zeigen, dass fast ein Drittel der Gewaltverbrechen in öffentlichen Räumen stattfindet – doch die Angst vor Kriminalität erreicht oft dort ihren Höhepunkt, wo das Risiko am geringsten ist. Die Diskrepanz zwischen wahrgenommener Gefahr und tatsächlichen Kriminalitätsraten zeichnet ein komplexes Bild der städtischen Sicherheit.
Offizielle Zahlen belegen, dass 29 Prozent der Gewaltdelikte im vergangenen Jahr in öffentlichen Bereichen verübt wurden. Allerdings ereigneten sich die meisten Fälle von sexueller Gewalt und Vergewaltigung – 71 Prozent – in privaten Wohnungen, während auch 20 Prozent der nicht tödlichen Körperverletzungen dort stattfanden. Dennoch geben viele Menschen an, sich nach Einbruch der Dunkelheit in schlecht beleuchteten oder menschenleeren Gegenden am stärksten bedroht zu fühlen.
Junge Menschen sind überproportional von Kriminalität betroffen – sowohl als Opfer als auch als Täter. Statistisch gesehen treten junge Männer am häufigsten als Gewalttäter in Erscheinung. Doch die Angst entspricht nicht immer der Realität: So genannte "Angsträume" – Orte, an denen sich Menschen unsicher fühlen – leiden oft unter sichtbaren Verfallserscheinungen wie Vandalismus oder mangelnder Instandhaltung, nicht aber zwangsläufig unter hoher Kriminalität.
Eine Ausnahme bilden Bahnhöfe, wo die öffentliche Besorgnis mit den tatsächlichen Kriminalitätstrends übereinstimmt. Diebstahl und Gelegenheitsdelikte sind dort weit verbreitet, was unter anderem auf das hohe Passant*innenaufkommen und die Präsenz von Polizeikräften zurückzuführen ist. Die Kriminalität selbst bleibt jedoch stärker in Städten konzentriert, wo Anonymität und weniger eng verbundene Gemeinschaften mehr Gelegenheiten für Straftaten bieten.
Die Kluft zwischen den Orten, an denen Straftaten begangen werden, und den Bereichen, in denen sich Menschen unsicher fühlen, stellt die Politik vor Herausforderungen. Während in Privathaushalten schwerwiegendere Delikte verübt werden, prägen öffentliche Räume – insbesondere nachts – weiterhin die Sicherheitsdebatte. Um sowohl reale Risiken als auch subjektive Ängste zu bewältigen, sind gezielte Maßnahmen in der Stadtplanung und Strafverfolgung erforderlich.






