Zuckersteuer ab 2028: Warum die Bundesregierung trotz Zweifeln an der Wirksamkeit festhält
Claudia HoffmannZuckersteuer ab 2028: Warum die Bundesregierung trotz Zweifeln an der Wirksamkeit festhält
Die deutsche Bundesregierung wird 2028 eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke einführen, mit der jährlich rund 450 Millionen Euro eingenommen werden sollen. Laut Behörden soll die Maßnahme die Belastung für das Gesundheitssystem verringern und Hersteller dazu bewegen, den Zuckergehalt ihrer Produkte zu senken. Aktuelle Daten deuten jedoch darauf hin, dass die Fortschritte bei der Zuckerreduktion bisher allenfalls ungleichmäßig ausgefallen sind.
Im April hatte das Bundeslandwirtschaftsministerium einen Rückgang des Zuckergehalts in Erfrischungsgetränken um 15 Prozent zwischen 2018 und 2024 bekannt gegeben. Doch ein interner Bericht zeigte, dass die tatsächliche Reduktion nur bei 9,1 Prozent lag. Der höhere Wert bezog sich lediglich auf einen „gewichteten Durchschnitt“ der wichtigsten Produkte – nicht auf den gesamten Markt.
Auch das Max Rubner-Institut, eine Bundesforschungseinrichtung, stellte die 15-Prozent-Angabe infrage. Es verwies auf eine kleinere Stichprobengröße im Jahr 2018 und mögliche methodische Änderungen. Trotz dieser Bedenken erwähnte die Pressemitteilung des Ministeriums die Zweifel nicht.
Kritiker wiesen auf einen gegenteiligen Trend hin: Getränke in kindgerechten Verpackungen enthalten heute 23 Prozent mehr Zucker als noch 2019. Luise Molling von der Verbraucherorganisation Foodwatch warf dem Ministerium vor, die Fortschritte der Industrie zu übertreiben, um strengere Regelungen zu vermeiden. Das Ministerium wies den Vorwurf der Irreführung zurück und betonte, die 15-prozentige Reduktion beziehe sich auf 80 Prozent des Marktes.
Die genauen Modalitäten der neuen Steuer stehen noch nicht fest, doch Berichten zufolge könnten Getränke mit weniger als fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter ausgenommen werden. Die Maßnahme folgt auf Jahre freiwilliger Reduktionsziele im Rahmen der „Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie“, deren Erfolg in der internen Bewertung als durchwachsen bezeichnet wurde.
Die Steuer soll 2028 in Kraft treten und jährlich etwa 450 Millionen Euro einbringen. Während die Regierung sie als Schritt zu einer besseren Gesundheitsvorsorge präsentiert, zeigen unabhängige Analysen, dass sich der Zuckergehalt vieler Getränke kaum verändert hat. Ob die Politik wirkt, hängt davon ab, wie die Hersteller reagieren – und ob Ausnahmen ihre beabsichtigte Wirkung abschwächen.






