AfD-Politiker Tillschneider stellt deutsche Nachkriegsgeschichte infrage – und löst Empörung aus
Paul WagnerAfD-Politiker Tillschneider stellt deutsche Nachkriegsgeschichte infrage – und löst Empörung aus
Im Mai 2026 hielt Dr. Hans-Thomas Tillschneider, stellvertretender Landesvorsitzender der AfD Sachsen-Anhalt, eine Rede, in der er die historische Nachkriegsnarrative Deutschlands infrage stellte. Seine Äußerungen widersprachen der weit verbreiteten Auffassung, dass die Befreiung vom Nationalsozialismus 1945 einen Wendepunkt für Demokratie und moralische Verantwortung darstellte.
Tillschneider bezeichnete das Ende der NS-Herrschaft nicht als notwendige Befreiung, sondern als die „Amputation riesiger deutscher Kulturlandschaften“. Er lehnte die seit Langem anerkannte Schuldaufarbeitung ab und sprach von einer „absurden Schuldkultur“ sowie einer „eingebildeten Kollektivschuld“. Seine Worte standen damit in direktem Widerspruch zur berühmten Rede des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker aus dem Jahr 1985, der den 8. Mai 1945 als Tag der Befreiung von der Tyrannei deutete. Tillschneider diffamierte Weizsäckers Ansprache als „geistige Kapitulation“ und positionierte die AfD damit außerhalb des etablierten historischen Konsenses Deutschlands.
Darüber hinaus argumentierte er, die Deutschen hätten demokratische Werte nur übernommen, um sich den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs anzupassen – nicht aus innerer Überzeugung. Unter Berufung auf den verstorbenen Politiker Franz Josef Strauß forderte Tillschneider eine „normale deutsche Identität“ und relativierte damit die Täterrolle Deutschlands während der NS-Zeit. Seine Aussagen lösten scharfe Kritik aus; Gegner warfen ihm vor, historische Lehren zu ignorieren und die Opfer des Regimes zu missachten.
Kritiker verurteilten die Rede als Abkehr von der moralischen Auseinandersetzung Deutschlands mit seiner Vergangenheit. Sie warnten, eine solche Rhetorik untergrabe Jahrzehnte der Aufarbeitung der NS-Verbrechen.
Tillschneiders Äußerungen stellen die AfD in Opposition zur vorherrschenden historischen Deutung Deutschlands. Indem er die Befreiung als Verlust darstellt und die Kollektivschuld zurückweist, attackiert er einen Grundpfeiler der deutschen Nachkriegsidentität. Die Reaktionen zeigen, wie tief die Gesellschaft in der Frage gespalten ist, wie das Land an seine Vergangenheit erinnern soll.






