ARD testet 30-minütige Tagesschau – kann das die sinkenden Quoten retten?
Nina BauerARD testet 30-minütige Tagesschau – kann das die sinkenden Quoten retten?
Die ARD testet eine längere Version ihrer Flaggschiff-Nachrichtensendung Tagesschau. Der Versuch startet mit einer 30-minütigen Ausgabe, die montags um 20:15 Uhr das übliche 15-Minuten-Format ersetzt. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund eines stetigen Rückgangs der klassischen Zuschauerzahlen in den vergangenen fünf Jahren – von 7,5 Millionen im Jahr 2021 auf 5,8 Millionen im Jahr 2026.
Gleichzeitig verzeichnen kürzere Formate wie die Tagesschau kompakt (3 Minuten) sowie Online-Clips einen deutlichen Popularitätsschub, besonders bei jüngeren Zuschauern. Seit 2022 stieg die Zahl der 18- bis 49-Jährigen um 25 Prozent.
Die Entscheidung für die Verlängerung folgt auf jahrelange sinkende Quoten der klassischen Tagesschau. Daten der ARD/ZDF und der AGF Videoforschung zeigen einen klaren Abwärtstrend: 7,9 Millionen Zuschauer im Jahr 2021, 6,4 Millionen 2023 und nur noch 5,6 Millionen 2025. Die ARD hofft, dass das längere Format das Vertrauen in die Medien stärkt und verlorene Zuschauer zurückgewinnen kann.
WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn präsentierte die erweiterte Version als Möglichkeit, globale Ereignisse mit persönlichen Erfahrungen zu verknüpfen. Er argumentierte, dass eine vertiefte Berichterstattung die Nachrichten relevanter für den Alltag mache. Kritiker jedoch hinterfragen die Strategie. FAZ-Medienredakteur Michael Hanfeld warnte, 15 Minuten seien für Nachrichten bereits ausreichend – ein 30-Minuten-Slot könnte den ARD-Primetime-Plan durcheinanderbringen und andere Sendungen sowie Konkurrenten beeinträchtigen.
Auch Branchenbeobachter zeigen sich skeptisch. Die Süddeutsche Zeitung-Journalistin Aurelie von Blazekovic bezeichnete den Versuch als Marketinggag statt als echte Verbesserung. Bereits im Januar 2023 hatte die Zeit-Journalistin Anna Mayr argumentiert, das eigentliche Problem der Tagesschau liege nicht in der Länge, sondern in der Qualität. Die als undurchsichtig beschriebene interne Entscheidungsfindung der ARD verstärkt die Unsicherheit. Eine endgültige Entscheidung, ob das erweiterte Format dauerhaft eingeführt wird, steht noch aus.
Der Test einer 30-minütigen Tagesschau markiert einen bedeutenden Wandel für die ARD, die damit den Zuschauerverlust umkehren will. Während der Sender auf mehr Engagement und Vertrauen setzt, gibt es bereits Kritik an der Programmplanung und der inhaltlichen Tiefe. Ob das längere Format dauerhaft bleiben wird, bleibt vorerst offen.






