03 April 2026, 12:23

Autofahrer fliehen vor Markenwerkstätten – Kostendruck verändert die Branche radikal

Gruppe automatisierter Roboter, die auf einem Förderband in einem Lager arbeiten und Kartons mit sichtbaren Fahrzeugen auf dem Boden handhaben.

Autofahrer fliehen vor Markenwerkstätten – Kostendruck verändert die Branche radikal

Autofahrer in Deutschland kämpfen mit steigenden Kosten – 48,3 % berichten von deutlich höheren Ausgaben. Dieser Wandel verändert nicht nur das Kaufverhalten, sondern auch die Wahl der Werkstätten: Immer mehr Fahrer entscheiden sich für freie Kfz-Betriebe statt für markengebundene Servicecenter. Eine klare Entwicklung im Automobil-Aftersales-Markt.

In den vergangenen fünf Jahren ist der Anteil der Fahrzeuge unter drei Jahren, die in Markenwerkstätten gewartet werden, von 86 % gesunken – bei älteren Modellen liegt die Quote noch niedriger. Bei Mittelklassewagen lassen nur noch 68 % der Besitzer ihre Autos beim offiziellen Händler reparieren. Unabhängige Werkstätten, die bis zu 40 % Kosteneinsparungen bieten, verzeichnen dagegen eine stetig wachsende Nachfrage.

Gerichtsurteile, etwa vom Bundesgerichtshof (BGH), haben diese Entwicklung begünstigt: Kunden dürfen seit einigen Entscheidungen nach Unfällen frei wählen, in welcher Werkstatt sie ihr Fahrzeug reparieren lassen – und müssen sich nicht mit günstigeren Alternativen zufriedengeben. Gleichzeitig versuchen die Automobilhersteller, ihre eigenen Betrieben im Schadensfall zu stärken, um das Geschäft zu halten.

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Unternehmen reagieren mit unterschiedlichen Strategien auf den Wandel. Die Bobrink Group setzt auf eine bundesweite Social-Media-Kampagne und generiert so wöchentlich rund 200 Kundenanfragen. Die Kunzmann Group hat intelligente Technologien eingeführt, darunter Online-Terminbuchungen und eine Vorab-Bewertung von Reparaturaufträgen, um die Effizienz zu steigern. Peter Schäfer von KreuterMedeleSchäfer konzentriert sich hingegen auf regionale Vertriebs- und Werkstattdienstleistungen, um die Kundenbindung zu festigen.

Digitale Lösungen prägen die Branche neu. Paul Beer, Leiter der Aftersales-Digitaldienste bei Emil Frey Digital, demonstrierte, wie solche Tools Prozesse beschleunigen und Kosten senken können. Künstliche Intelligenz revolutioniert zudem die Finanzabwicklung – darauf wiesen Dr. Eric Günter Krause und Rolf Bialas von Genpact hin.

Branchenexperten betonen die Bedeutung des Aftersales für die Kundenbindung. Kai Vogler von Volkswagen Financial Services hob dessen zentrale Rolle im Gebrauchtwagenhandel hervor. Imelda Labbé, Präsidentin des Verbandes der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK), kritisierte, dass Händler die Chancen im Aftersales-Bereich noch immer nicht ausreichend nutzen. Selbst das Fahrzeugdesign passt sich an: Michael Hayer von EDAG Engineering sprach über die wachsende Nachfrage nach physischen Bedienelementen in Autos.

Der Trend zu unabhängigen Werkstätten spiegelt sowohl den Kostendruck als auch veränderte Kundenwünsche wider. Mit digitalen Werkzeugen, smarter Technologie und neuen Geschäftsmodellen entwickelt sich der Aftersales-Markt rasant. Diese Veränderungen werden nicht nur beeinflussen, wie Autofahrer ihre Fahrzeuge in Zukunft warten lassen – sie werden auch den Wettbewerb der Unternehmen um die Gunst der Kunden prägen.

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