Erstes großes hydrokinetisches Turbinensystem startet Testbetrieb auf dem Rhein
Claudia HoffmannErstes großes hydrokinetisches Turbinensystem startet Testbetrieb auf dem Rhein
Erstmals wird ein schwimmendes hydrokinetisches Turbinensystem im großen Maßstab auf dem Rhein getestet. Die Energyfish-Module des Unternehmens Energyminer sind kompakte Geräte, die in Fließgewässern verankert werden, um Strom zu erzeugen. Der erste große „Schwarm“ dieser Turbinen wird nun in der Nähe von St. Goar in Deutschland installiert.
Jede Energyfish-Einheit misst 2,8 Meter in der Länge, 2,4 Meter in der Breite und 1,4 Meter in der Höhe bei einem Gewicht von etwa 80 Kilogramm. Die maximale Leistung beträgt 6 kW, die durchschnittliche Leistung liegt bei 1,8 kW. Laut Hersteller kann jedes Modul jährlich rund 15 Megawattstunden (MWh) erzeugen. Ein Schwarm aus 100 Einheiten würde demnach etwa 1,5 Gigawattstunden pro Jahr liefern – genug, um rund 470 Haushalte zu versorgen.
Zum System gehören die Vorbereitung des Flussbetts, Verankerungen, Kabel, landgestützte Technik, Netzanschlüsse, Nutzungsrechte, Überwachung sowie ein Wartungsplan. Energyminer betont, dass die Technologie rund um die Uhr und bei jedem Wetter funktioniert, hochwasserresistent ist, Fische nicht gefährdet und nur minimalen Wartungsaufwand erfordert. Die gestrichenen Stromgestehungskosten werden auf etwa 0,08 Euro pro Kilowattstunde geschätzt, bei einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von mindestens 8 Prozent über 20 Jahre.
Die Anlage in St. Goar mit 124 Modulen ist das erste Schwarmkraftwerk dieser Art in diesem Umfang. Zwar fällt ihre Gesamtkapazität in die Kategorie der dezentralen Energieerzeugung, doch hängt die Leistung stark von den Flussbedingungen ab. Saisonale Schwankungen, Hochwasser oder Niedrigwasser können sowohl die Effizienz als auch die Zuverlässigkeit der Anlage beeinflussen.
Für abgelegene, dieselabhängige Gemeinden könnte der Energyfish eine tragfähige Lösung für saubere Energie bieten. In netzgebundenen europäischen Regionen muss er sich hingegen mit bestehenden lokalen Alternativen messen. Der Rhein-Schwarm wird nun als Praxisversuch zeigen, ob die Effizienz- und Kostenzusagen des Systems halten, was sie versprechen.
