EU lockert Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Lebensmittel ab 2026

Minister hält GMO-Entscheidung der EU für falsch - EU lockert Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Lebensmittel ab 2026
Die EU hat sich auf neue Regeln für die Kennzeichnung genetisch veränderter (GV) Lebensmittel geeinigt. Unterhändler des Europäischen Parlaments und der Mitgliedstaaten erzielten Anfang Dezember eine Vereinbarung, um die aktuellen Vorgaben zu lockern. Die Änderungen sollen den bürokratischen Aufwand verringern, die Züchtungsfortschritte beschleunigen und gleichzeitig den Einsatz von Pestiziden reduzieren.
Die überarbeiteten Bestimmungen treten im Januar 2026 in Kraft. Wichtige EU-Länder wie Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und die Niederlande unterstützen den Vorschlag nach jüngsten Verhandlungen in Brüssel.
Nach dem neuen System benötigen Lebensmittel mit geringfügigen genetischen Veränderungen künftig keine Sondergenehmigung oder spezielle Kennzeichnung mehr. Nur Produkte mit erheblichen genetischen Eingriffen müssen weiterhin für Verbraucher erkennbar sein. Befürworter argumentieren, dass dies Landwirten helfen werde, verbesserte Sorten schneller einzusetzen und die Abhängigkeit von chemischen Pestiziden zu verringern.
Kritiker äußern jedoch erhebliche Bedenken. Miriam Staudte, Landwirtschaftsministerin von Niedersachsen, wirft den Änderungen vor, den vorsorglichen Ansatz Europas in Sachen Lebensmittelsicherheit aufzugeben. Sie warnt, dass der Verzicht auf Kennzeichnungen Verbrauchern die Möglichkeit nehme, GV-Produkte bewusst zu meiden. Staudte verweist zudem auf Risiken durch Kreuzkontamination, wenn GV-Pflanzen im Freiland angebaut werden – mit möglichen Langzeitfolgen, die nicht sofort sichtbar seien.
Über die Kennzeichnungspflicht hinaus fürchtet Staudte, dass die Entscheidung die Sortenvielfalt verringern könnte. Sie befürchtet, die Dominanz weniger großer Produzenten könnte sich verstärken, was Landwirten und Verbrauchern weniger Alternativen lasse.
Die neuen Regeln gelten ab 2026, wobei zentrale EU-Staaten bereits ihre Zustimmung signalisiert haben. Unterstützer betonen, dass die Reformen die Landwirtschaft modernisieren und Bürokratie abbauen werden. Kritiker hingegen warnen vor dem Verlust an Verbraucherwahlfreiheit sowie möglichen Risiken für die Biodiversität und den Wettbewerb auf dem Markt.

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