Ölpreise explodieren: Geopolitische Krisen treiben Brent auf 110-Dollar-Marke
Nina BauerÖlpreise explodieren: Geopolitische Krisen treiben Brent auf 110-Dollar-Marke
Weltweite Wirtschaftsdruck steigt: Ölpreise schnellen in die Höhe, geopolitische Spannungen verschärfen sich
Die globalen wirtschaftlichen Belastungen nehmen zu, da die Ölpreise stark anziehen und die geopolitischen Spannungen eskalieren. Die Nordseeöl-Sorte Brent hat erstmals seit 2022 wieder die Marke von 110 US-Dollar pro Fass überschritten – angetrieben durch den Iran-Krieg und eine Blockade in der Straße von Hormus. Unterdessen bereiten sich Zentralbanken und Finanzinstitute auf ein schwächeres Wachstum und anhaltende Inflation vor.
Die Ölpreise waren nach Russlands Invasion in der Ukraine im Februar 2022 sprunghaft angestiegen und hatten im März desselben Jahres fast 120 Dollar pro Fass erreicht. Zwar waren sie anschließend wieder gefallen, doch nun klettern sie erneut und liegen im März 2026 bei 110 bis 120 Dollar – das erste Mal seit 2022, dass sie die 110-Dollar-Marke überschreiten und damit den früheren Höchststand erreichen.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat drei mögliche Reaktionen auf den Energieschock skizziert. Christine Lagardes Strategie umfasst das Übergehen vorübergehender Preissprünge, schrittweise Anpassungen mit allmählichen Zinserhöhungen oder – falls die Inflation hartnäckig bleibt – eine entschlossene Gegenmaßnahme. Im ungünstigen Szenario der EZB könnte die Gesamtinflation zwar auf 4 Prozent steigen, würde aber schnell wieder sinken, ohne die Kerninflation nachhaltig zu beeinflussen. Voraussichtlich würden dann bis Mitte 2027 ein paar Zinsanhebungen auf 2,5 Prozent folgen.
In einem schwerwiegenderen Szenario bliebe die Inflation mehr als zwei Jahre hoch. Die EZB müsste aggressiv gegensteuern, was zwar die Preise drücken, aber die Rezession verschärfen würde. Die aktuellen Ölpreise entsprechen eher dem ungünstigen als dem extremen Szenario, auch wenn die worst-case-Werte noch nicht erreicht sind.
Unterdessen warnte Japans oberster Währungshüter vor einer möglichen Intervention, um den weiteren Verfall des Yen zu stoppen. Karen Ward von JPMorgan argumentierte, die Bank of England werde die Zinsen in diesem Jahr voraussichtlich stabil halten. Die US-Notenbank Fed hingegen hat ihre prognostizierten Verluste für 2025 auf 18,7 Milliarden Dollar reduziert – begünstigt durch niedrigere Zinsen und eine schrumpfende Bilanz.
Die anstehenden globalen Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) deuten auf höhere Preise und schwächeres Wachstum hin. Anhaltende Störungen in zentralen Schifffahrtsrouten wie dem Suezkanal – der sich noch immer von den Huthi-Angriffen 2023 erholt – haben zudem Befürchtungen vor weiteren Belastungen der Lieferketten geschürt.
Die Ölpreise haben damit wieder das Niveau von 2022 erreicht und zwingen die Zentralbanken, die Inflationsrisiken gegen eine wirtschaftliche Abkühlung abzuwägen. Die Reaktion der EZB wird davon abhängen, wie lange der Schock anhält – mit schrittweisen Zinserhöhungen oder schärferen Maßnahmen als mögliche Optionen. Finanzinstitute und Regierungen stellen sich mittlerweile auf anhaltenden Druck bei Preisen und Wachstum ein.






