Sachsens Apotheken verschwinden: Unter 900 Filialen zum ersten Mal seit Jahren
Nina BauerSachsens Apotheken verschwinden: Unter 900 Filialen zum ersten Mal seit Jahren
Zahl der öffentlichen Apotheken in Sachsen erstmals seit einem Jahrzehnt unter 900 gefallen
Die Zahl der öffentlichen Apotheken in Sachsen ist erstmals seit zehn Jahren unter die Marke von 900 gesunken. Göran Donner, Präsident des Sächsischen Apothekerverbandes, warnt vor einer beschleunigten Schließungswelle, insbesondere in ländlichen Regionen. Als Gründe nennt er wirtschaftliche Belastungen und untätige Politik, die die medizinische Versorgung in der gesamten Region gefährden.
Noch 2016 gab es in Sachsen etwa 900 oder mehr öffentliche Apotheken – exakte Zahlen liegen nicht vor. Doch bis 2026 ist ihre Anzahl auf unter 900 gesunken, bedingt durch kontinuierliche Schließungen. Zwischen 2016 und 2020 verlor die Region 36 Apotheken, gefolgt von weiteren 85 Schließungen von 2021 bis 2025. Allein im vergangenen Jahr stellten 13 Apotheken ihren Betrieb ein.
Donner sieht die wirtschaftlichen Schwierigkeiten als Hauptgrund für den Rückgang. Viele Apotheken könnten unter den aktuellen Bedingungen schlicht nicht mehr kostendeckend arbeiten, so der Verbandschef. Die zögerliche Anpassung der Apothekengebühren durch die Bundesregierung verschärfe die finanzielle Not zusätzlich und treibe Betreiber in die Insolvenz.
Der Fachkräftemangel verschärft die Krise weiter und zwingt manche Apotheken zur Aufgabe. Besonders betroffen sind ländliche Gebiete, wo Donner vor einer zunehmenden "Apothekenwüste" warnt – mit der Folge, dass Anwohner immer weniger Möglichkeiten haben, dringend benötigte Medikamente vor Ort zu beziehen. Zwar verlangsamte sich der Schließungstrend 2025 leicht im Vergleich zu den Vorjahren, doch der Gesamttrend bleibt besorgniserregend.
Durch das Apothekenreformgesetz sind die Anforderungen an Apotheken zwar gestiegen, doch Donner betont, dass nur wirtschaftlich stabile Betriebe diese erfüllen können. Für finanziell angeschlagene Standorte bedeutet dies zusätzlichen Druck.
Das Apothekennetz in Sachsen schrumpft weiter – weniger als 900 sind noch in Betrieb. Wirtschaftliche Instabilität und ungelöste Finanzierungsfragen treiben weitere Schließungen voran, vor allem in ländlichen Gemeinden. Ohne Gegenmaßnahmen droht die medizinische Versorgung in diesen Regionen weiter zu erodieren.






