17 March 2026, 01:07

Wagner-Inszenierung in Stuttgart löst mit Celans Todesfuge erneute Eklats aus

Ein Vintage-Plakat mit einer Frau in einem weißen Kleid, die eine Harfe spielt und ein Mikrofon hält, mit der Aufschrift "Geschichten der Wagner-Oper" oben und einer Menge im Hintergrund.

Wagner-Inszenierung in Stuttgart löst mit Celans Todesfuge erneute Eklats aus

Eine jüngste Aufführung der Meistersinger von Nürnberg in Stuttgart sorgte für Aufsehen, als Regisseurin Elisabeth Stöppler während Wagners Musik eine Lesung von Paul Celans Todesfuge einbaute. Die Entscheidung löste Buhrufe aus Teilen des Publikums aus und löste sowohl bei Zuschauern als auch bei offiziellen Stellen heftige Reaktionen aus. Unterdessen berichtete ein Redner über frühere Wagner-Inszenierungen und schildert, wie sich im Laufe der Zeit seine eigene Sicht auf den Ring-Zyklus gewandelt hat.

Das Stuttgarter Staatsopernhaus und die Stadtverwaltung hatten bereits in der Spielzeit 2022/2023 mit Kritik zu kämpfen. Eine Inszenierung der Meistersinger unter der Regie von Tobias Kratzer wurde nach Protesten abgesagt, da die Verwendung von Celans Todesfuge als antisemitisch und unangemessen bewertet wurde. Die Kontroverse führte im April 2023 schließlich zu Kratzers Entlassung. Seither gelten strengere Richtlinien: Vor der Aufführung holocaustbezogener Inhalte sind nun ethische Prüfungen und Absprachen mit jüdischen Organisationen vorgeschrieben.

Bei der jüngsten Vorstellung stieß Stöpllers erneute Einbindung von Celans Gedicht erneut auf hörbaren Widerspruch. Der Stuttgarter Kommunikationschef bezeichnete die Buhrufe als "respektlos" gegenüber Celan, einem Überlebenden des Holocaust. Der Redner, der einst eine polarisierende Ring-Inszenierung in Stuttgart erlebte, gab zu, sich anfangs von abweichenden Deutungen brüskiert gefühlt zu haben. Mit der Zeit lernte er jedoch, jeden Regieansatz zu schätzen, und zählt den Ring heute zu seinen operativen Höhepunkten.

Gleichzeitig räumte der Redner ein, dass die Empörung der Stuttgarter Verantwortlichen nachvollziehbar sei. Er erkannte die Brisanz an, Celans Werk mit Wagners Musik zu verbinden – angesichts des umstrittenen Erbes des Komponisten und der Verbindung des Gedichts zur Trauma des Holocaust.

Der Vorfall zeigt die anhaltenden Spannungen zwischen künstlerischer Freiheit und historischem Verantwortungsbewusstsein in der Opernwelt. Stuttgarts verschärfte Vorgaben verlangen nun eine ethische Begutachtung provokanter Produktionen. Für den Redner bestärkte die Erfahrung, wie sich die Perspektive auf Wagners Werke im Laufe der Zeit wandeln kann – von anfänglicher Ablehnung bis hin zu tieferer Wertschätzung.

AKTUALISIERUNG

Stuttgarts 'Meistersinger' kehrt mit vollem Ensemble für die Vorstellung am 22. März zurück

Die Staatsoper Stuttgart hat eine Vorstellung von Wagners Meistersinger von Nürnberg am 22. März bestätigt, bei der das gesamte Ensemble mitwirkt. Wichtige Details sind:

  • Michael Volle als Hans Sachs, der zentrale Figur der Oper.
  • Dirigent Cornelius Meister und Regisseurin Elisabeth Stöppler kehren für die Produktion zurück.
  • Die umstrittene Einbeziehung von Paul Celans Todesfuge wird in dieser Inszenierung wiederholt.