Wenn Kaktus und Mücke über uns urteilen: Ein Plädoyer für weniger Meinungen
Paul WagnerWenn Kaktus und Mücke über uns urteilen: Ein Plädoyer für weniger Meinungen
Diese Woche wurde der Autor von allen Seiten mit Meinungen konfrontiert. In Talkshows, Podcasts und Online-Foren werden unablässig neue Standpunkte zu Themen von den Konflikten im Nahen Osten bis hin zur Frage, ob Ananas auf Pizza gehört, verbreitet. Selbst die Forderung nach Wahlrecht für Katzen tauchte in jüngsten Diskussionen auf.
Der Autor stellt sich eine Welt vor, in der die Natur selbst starke Meinungen über die Menschen entwickelt. In diesem Szenario äußern sich ein Schlafzimmer-Kaktus, Stechmücken und Sonnenblumen kritisch über das Verhalten des Autors. Selbst das Mittelmeer sortiert Urlauber nach ihrem Benehmen in dieser imaginären Welt.
Trotz der Annahme, dass Menschen die Natur gerade wegen ihrer Urteilsfreiheit suchen, bleibt der Autor bei manchen Trends skeptisch. Achtsames Atmen etwa gehört zu den Praktiken, die er weiterhin anzweifelt. Um dem endlosen Strom an Meinungen zu begegnen, schlägt er vor, sich auf drei Meinungsäußerungen pro Person und Tag zu beschränken – jede weitere bedürfe der Genehmigung durch ein Rebhuhn.
Die Welt wird nie an Meinungen verarmen. Sie für sich zu behalten, wird zunehmend zur Seltenheit, fast schon zum Tabu. Die spielerische Lösung des Autors unterstreicht, wie überwältigend der ständige Strom an Standpunkten geworden ist.
