Wie Medien einen rechtsextremen YouTuber unfreiwillig zum Star machten
Lea HerrmannWie Medien einen rechtsextremen YouTuber unfreiwillig zum Star machten
Eine aktuelle Untersuchung über einen rechtsextremen YouTuber hat für Kontroversen gesorgt und unerwartete Folgen ausgelöst. Der Beitrag des ZDF Magazin Royale von Jan Böhmermann sowie ein Bericht der Zeit wollten den Macher von Clownswelt entlarven – doch stattdessen stieg die Abonnentenzahl des Kanals rasant an. Kritiker fragen nun, ob der mediale Ansatz nach hinten losging und genau die Person verstärkte, die man eigentlich unter die Lupe nehmen wollte.
Die Zeit-Recherche und Böhmermanns Sendung analysierten die Inhalte von Clownswelt detailliert. Sie thematisierten gewaltvolle Rhetorik gegen Rechtsextremisten, etwa Reaktionen auf einen Spiegel-TV-Beitrag mit MontanaBlack, sowie die Bewerbung rechtspopulistischer Parteien in ganz Europa. Der YouTuber bezeichnete Gegner zudem als "böse Rechtspopulisten" und stilisierte geringfügige Satire-Vergehen – wie die Verbreitung von Inhalten jüdischer Comedians – zu angeblichen Belegen für einen "totalitären" Staat in Deutschland. Mit solchen Aussagen positionierte er sich als zentrale Stimme der Wutbürgerszene.
Vor der Ausstrahlung zählte Clownswelt 220.000 Abonnenten. Bis zum 13. Mai 2025 kletterte die Zahl auf über 384.000. Die mediale Aufmerksamkeit erweiterte nicht nur seine Reichweite, sondern steigerte auch seine Werbeeinnahmen – mit weiter wachsenden Prognosen.
Rechtliche Bedenken folgten prompt. Der Medienanwalt Christian Solmecke warf Böhmermann und Zeit Online vor, durch die Veröffentlichung privater Daten gegen § 126a des Strafgesetzbuchs verstoßen zu haben. Zeit-Journalist Christian Fuchs verteidigte den Bericht und betonte, nur ein Prozent der gesammelten Informationen seien veröffentlicht worden, um Schäden zu vermeiden. Unterdessen forderten Nutzer in sozialen Medien zur "Gegenjustiz" auf und verlangten die Veröffentlichung der Privatadressen von Böhmermann und Fuchs.
Die Kritik beschränkte sich nicht auf juristische Debatten. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) hinterfragte, ob der YouTuber tatsächlich rechtsextrem oder gefährlich sei, und verwies auf fehlende handfeste Beweise. Andere wiesen auf grundsätzliche Probleme hin: Öffentlich-rechtliche Sender wie das ZDF könnten mit solchen Formaten zur politischen Polarisierung beitragen. Zudem zog der Vorfall Vergleiche zu langjährigen Taktiken linker Antifa-Gruppen, die seit Jahrzehnten rechtsextreme Akteure recherchieren und deren Privatleben öffentlich machen.
Am Ende steht der YouTuber mit einer größeren Plattform und höheren Einnahmen da. Die rechtlichen und ethischen Diskussionen über die Rolle der Medien beim Doxxing und die mögliche Radikalisierung der politischen Debatte halten an. Der Fall zeigt, wie riskant es ist, wenn prominente Persönlichkeiten umstrittene Online-Akteure angreifen – und dabei ungewollt das Gegenteil des Gewünschten erreichen.






