Wirtschaftsinstitute halbieren Deutschlands Wachstumsprognose für 2026 auf 0,6 Prozent
Claudia HoffmannWirtschaftsinstitute halbieren Deutschlands Wachstumsprognose für 2026 auf 0,6 Prozent
Deutschlands Wirtschaftsperspektiven verdüstern sich: Führende Forschungsinstitute senken Wachstumsprognosen drastisch
Die konjunkturellen Aussichten für Deutschland haben sich deutlich eingetrübt, nachdem führende Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Wachstumsvorhersagen stark nach unten korrigiert haben. Im aktuellen Frühjahresgutachten wird das erwartete Wachstum für 2026 halbiert – als Hauptgrund gelten die Belastungen durch die explodierenden Energiepreise. Ökonomen warnen vor anhaltendem Druck auf die Haushaltsbudgets der Privaten und die Geschäftstätigkeit der Unternehmen.
Sechs renommierte deutsche und österreichische Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Prognosen deutlich nach unten geschraubt. Für das Jahr 2026 wird nun nur noch ein Wachstum von 0,6 Prozent erwartet – halb so viel wie in der vorherigen Schätzung von 1,2 Prozent. Auch die Vorhersage für 2027 wurde zurückgenommen: Statt 1,4 Prozent wird nun mit 0,9 Prozent gerechnet.
Als Haupttreiber des Abschwungs nennen die Institute die stark gestiegenen Energiekosten. Die Eskalation im Iran habe die globalen Märkte durcheinandergebracht, die Preise in die Höhe getrieben und die Verbraucher zusätzlich belastet. Timo Wollmershäuser, Forschungsleiter am Münchner ifo Institut, sprach von einem "direkten Schlag" für die ohnehin fragile Erholung der deutschen Wirtschaft.
Die Inflation bleibt ein zentrales Problem: Die Verbraucherpreise dürften 2026 um 2,8 Prozent und 2027 um 2,9 Prozent steigen. Zwar raten die Experten von kurzfristigen staatlichen Eingriffen zur Deckelung der Energiepreise ab, fordern aber gezielte Unterstützung für einkommensschwache Haushalte. Empfohlen werden sozialpolitische Maßnahmen, um die schlimmsten Folgen abzufedern, ohne dabei die Marktsignale zu verfälschen.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) reagierte mit einem Appell zu umfassenden Reformen. Die düsteren Prognosen unterstrichen die Dringlichkeit struktureller Veränderungen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, so Reiche. Die eigene Wachstumsprognose der Regierung, die am 22. April vorgestellt wird, soll weitere Hinweise auf die geplante Wirtschaftspolitik geben.
Die überarbeiteten Zahlen zeichnen ein ernüchterndes Bild der kurzfristigen Wirtschaftsperspektiven Deutschlands. Angesichts der belastenden Energiekosten und anhaltend hoher Inflation müssen Haushalte und Unternehmen weiter mit Spannungen rechnen. Die Politik steht nun vor der Herausforderung, Entlastungsmaßnahmen mit dem Ziel langfristiger Stabilität in Einklang zu bringen.






