Anna Netrebko kehrt triumphierend an die Berliner Staatsoper zurück – trotz Proteste
Nina BauerAnna Netrebko kehrt triumphierend an die Berliner Staatsoper zurück – trotz Proteste
Anna Netrebko kehrte diese Woche an die Berliner Staatsoper zurück – in einer Neuinszenierung von Un ballo in maschera. Die Sopranistin übernahm die Rolle der Amelia im Rahmen des Festprogramms des Hauses. Ihr Auftritt markierte eine spürbare Veränderung in der öffentlichen Wahrnehmung seit ihrem letzten Gastspiel dort im Jahr 2023.
Die unter der Leitung von Enrique Mazzola stehende Produktion erntete begeisterten Applaus des Publikums. Draußen versammelte sich jedoch eine kleine Gruppe von Demonstranten, die gegen ihre angeblichen politischen Verbindungen protestierten.
Netrebkos Karriere in Deutschland hat in den vergangenen Jahren dramatische Wendungen erlebt. Nach ihrem Berliner Auftritt 2023 führten Kontroversen um ihre vermeintliche Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin zu Vertragsstornierungen. Ab der Spielzeit 2025–2026 kehrte sie jedoch schrittweise auf große Bühnen zurück, etwa an die Hamburger Staatsoper oder das Bayerische Staatsoper in München. Die Medienberichterstattung wurde zurückhaltender, und das Publikum zeigte sich zunehmend unterstützend – die Debatte verlagerte sich auf die Fragen künstlerischer Freiheit und politischer Haltung.
Ihre Rückkehr an die Berliner Staatsoper erfolgte dennoch unter anhaltender Kritik. Rund 50 Protestierende standen vor dem Haus und skandierten Parolen wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" oder "Russland ist ein Terrorstaat". Netrebko, die sowohl die russische als auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, war zuvor in die Kritik geraten, nachdem sie 2021 ihren 50. Geburtstag im Moskauer Kreml gefeiert hatte. Ihre Vertreter betonten später, sie lehne den Krieg in der Ukraine ab.
Trotz der Proteste verlief die Vorstellung selbst ohne Störungen. Mazzolas Dirigat und Netrebkos Darstellung der Amelia wurden mit starkem Beifall bedacht – ein Zeichen für eine gespaltene, aber sich wandelnde Reaktion auf ihre Präsenz auf deutschen Bühnen.
Ihr jüngster Berliner Auftritt unterstreicht Netrebkos schrittweise Rückkehr an die europäischen Opernhäuser. Zwar halten die Proteste an, doch die Reaktion des Publikums deutet auf einen Wandel in der Wahrnehmung ihrer Karriere hin. Die Frage, ob Kunst und Politik trennbar sind, bleibt unbeantwortet – doch ihre Auftritte stoßen mittlerweile auf weniger institutionellen Widerstand als noch vor einigen Jahren.






