Thüringer Pilotprojekt zeigt: Wie Schulen digitale sexualisierte Gewalt stoppen können
Nina BauerThüringer Pilotprojekt zeigt: Wie Schulen digitale sexualisierte Gewalt stoppen können
Digitale sexualisierte Gewalt betrifft laut aktuellen Studien fast die Hälfte aller jungen Menschen in Deutschland. Ein dreijähriges Pilotprojekt in Thüringen setzte sich zum Ziel, das Problem durch Schulworkshops zu bekämpfen – und erreichte damit Tausende Schülerinnen und Schüler. Fachleute betonen nun, dass Prävention deutlich kostengünstiger ist als die Bewältigung der langfristigen Folgen solcher Übergriffe.
Zwischen 2022 und 2025 leitete die Präventionspädagogin Yasmina Ramdani in Thüringen Workshops für rund 5.000 Schülerinnen und Schüler der fünften bis achten Klassen zum Thema digitale sexualisierte Gewalt. Das vom Landesjugendamt geförderte Projekt war das erste seiner Art in Deutschland. Eine der Methoden war ein Bingospiel, bei dem die Jugendlichen über eigene Erfahrungen sprachen und zentrale Begriffe rund um Missbrauch im Netz lernten.
Cybergrooming – also das gezielte Anbahnen von Kontakten zu Kindern und Jugendlichen in Chats, um sie später zu belästigen oder zu missbrauchen – betraf 2025 fast ein Viertel der Minderjährigen. Viele Vorfälle geschehen zudem im Freundes- oder Klassenchat, oft aus Naivität oder mangelnder Medienkompetenz. Lehrkräfte erkennen zwar die Dringlichkeit des Problems, fühlen sich aber häufig überfordert, angemessen zu reagieren.
Auch Eltern kommen eine Schlüsselrolle zu. Expertinnen und Experten raten ihnen, das eigene Verhalten zu reflektieren und offen mit ihren Kindern über Grenzen zu sprechen – insbesondere beim Teilen intimer Bilder. Durch öffentliche Vorwürfe, wie etwa die von Collien Fernandes gegen Christian Ulmen, ist die digitale Dimension von Gewalt gegen Frauen stärker in den Fokus gerückt.
Das Thüringer Pilotprojekt zeigte, wie wichtig frühzeitige Aufklärung im Kampf gegen digitale sexualisierte Gewalt ist. Da fast jedes zweite junge Mensch solche Übergriffe erlebt, gelten Präventionsmaßnahmen als unverzichtbar. Nun steht die Politik vor der Herausforderung, ähnliche Programme flächendeckend auszubauen, um Betroffene zu schützen und Schäden zu verringern.






